Ein bisschen Horror und ein bisschen Sex

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Ein bisschen Horror und ein bisschen Sex

Anna Brauer rennt die Treppen der Musikschule der Stadt Freital nach oben, bleibt außer Atem vor einem Zimmer stehen und lauscht: "Nein nochmal, du musst das viel frecher singen." Anna klopft und tritt ein. Hier ist sie richtig. Im Zimmer ist die Probe in vollem Gange. Gesungen werden Lieder aus Musicals wie »Cabaret«, »My Fair Lady«, »Der kleine Horrorladen«, »Der Zauberer von Oz« sowie »Mein Freund Bunbury«. Aber auch Arien und Lieder aus dem Bereich des klassischen Gesangs. Für mich unterbrechen die fünf Sänger und Sängerinnen ihre Probe. Gearbeitet wird für die Musizierstunde der Abteilung Gesang der Musikschule am 11. Juli. Das Ensemble ist in der letzten Zeit viel beschäftigt. So wirkten sie noch vor ein paar Wochen beim Amateurtheaterfestival der Landesbühnen Sachsen mit, das vom 5. bis 7. Juni stattfand.

Stefan Große als armer Schriftsteller in „Ein bisschen Horror und ein bisschen Sex“ aus dem Musical „Mein Freund Bunbury“ von Gerd Natschinski (Foto: privat)

Zum 14. Mal hatte damals das junge.studio Tanz-, Musik-, Film und Theatergruppen unter dem Motto "Alles spielt" eingeladen, um deren Produktionen einmal im Jahr eine Bühne zu geben. In diesem Jahr bewarben sich insgesamt 18 Gruppen verschiedener Schulformen und Genres. "Leider hatten wir diesmal keine Kindergarten-Gruppe dabei", bedauert Ina Steinel, Theaterpädagogin und Verantwortliche des Amateurtheaterfestivals. "Trotzdem war der jüngste Teilnehmer sechs, der älteste sogar schon 85 Jahre alt." Das bunt gemischte Programm bestand aus Bands, die sich zum Themenabend "Alles tanzt" vorstellten, aus Tanzgruppen, Schattentheater, Seniorentheater und erstmals auch aus einer Musical-Inszenierung. Die Teilnehmeranzahl variierte dabei in den einzelnen Gruppen sehr stark. So bestand das Weixdorfer Dance Team aus 34 Tänzern, die Musical-Gruppe der Freitaler Musikschule lediglich aus vier Sängern. "Hauptanliegen des Festivals ist, dass immer zwei Gruppen sich gegenseitig ansehen und danach in einem Gespräch üben, Kritik zu üben". Aus den Erfahrungen der letzten Jahre sei das gar nicht so einfach, sich gegenseitig anregend zu bewerten, ohne die Arbeit der Anderen in Frage zu stellen. "In der Programmzusammenstellung haben wir versucht, die Gruppen so zu mischen, dass Jung auf Alt trifft. So wird das Amateurtheaterfestival also auch ein Treffen der Generationen."

"Wir hatten von dem Projekt der Landesbühnen aus der Zeitung erfahren und waren uns sofort einig, dass wir daran teilnehmen wollen", sagt Anna Brauer. Es sei eine gute Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln, einmal über den eigenen Tellerrand hinauszusehen und sich vergleichen zu können. "Außerdem wollten wir einfach unsere Programme, die sich jeder einzeln für den Wettbewerb "Jugend musiziert – Musical 2012" erarbeitet hat, nochmal einem breiteren Publikum vorstellen", wirft Stefan Große ein. "Wir haben die damals entstandenen drei voneinander unabhängigen Programme zusammengesetzt und daraus eine vollkommen andere, neue Geschichte entwickelt."

Anna, Stefan und ihre Mitstreiter bildeten den Abschluss des Amateurtheaterfestivals. Sie zeigten am 7. Juni 2013 das Ergebnis ihrer Probenarbeit und sind mit dem Auftritt sehr zufrieden. "Es war eine tolle Erfahrung andere Gruppen zu sehen und selbst vor einem völlig neuen Publikum spielen zu können. Es hat uns wirklich sehr gut aufgenommen. Leider hatten wir nicht die Möglichkeit eine andere Gruppe zu kritisieren oder von einer anderen bewertet zu werden. Wir haben dafür von Theaterpädagogen ein kurzes Feedback bekommen und konnten uns mit ihnen über zwei unterschiedliche Genres des Theaterschauspiels und des Musicals austauschen."

Auch im nächsten Jahr wird die Tradition des Amateurtheaterfestivals fortgeführt. Ob die Abiturienten dann wieder dabei sind? "Mal sehen. Wenn uns das Studium nicht auseinander bringt bestimmt, denn es hat wirklich Spaß gemacht." Dann setzt Stefan sein freches Lächeln auf, öffnet die Tür und bittet mich hinaus. Die jungen Sänger und Sängerinnen möchten weiter proben.

Skadi Richter

11.07.2013Features, Interviews