»Doric String Quartet« im Zaubergarten

Rezensionen

»Doric String Quartet« im Zaubergarten

Für die einen der nasseste Mai seit 1881; für die anderen das beste Wetter für Konzertabende… (Foto: Johannes Otto)

Eines der besten Konzerte dieses Jahrgangs haben die Musikfestspiele sich und uns bis fast ganz zum Schluss aufgespart: im Palais im Großen Garten waren am Freitag vier fantastische Klangfarbzauberer zu Gast.

Sicher, einfach werden es die vier jungen Musiker des Doric String Quartet in dem mindestens gefühlt unglaublich rasch wachsenden Streichquartettmarkt nicht haben. Unverzichtbar, da eine eigene Stimme zu entwickeln, ein akustisches Markenzeichen, so dass man beim Hören einer Aufnahme sofort denkt: klar, Doric. Etablierte Quartette haben da schon viele Nischen besetzt: ihr Klang ist romantisch singend, frisch und klar oder an der Grenze zum Brachialen. In jedem Falle aber kommt eine eigene Identität zum Ausdruck: man hat das Gefühl, das jeweilige Quartett entstehe aus dem Moment heraus und könne gar nicht anders klingen.

Der Klang des Doric String Quartet erwächst aus vier ziemlich unterschiedlichen Charakteren: einem wilden Springinsfeld-Celloton, einem sehr charakteristischen, rauhen Bratschenklang, einer artikulativ selbstbewussten, aber oft bewusst zurückhaltenden zweiten Geige und einem Primus (Alex Redington), der nicht über die Dynamik, sondern durch organisch ausgeformte Ideen und Themen überzeugt. Sehr süß ist sein Klang, vor hörbaren Glissandi schreckt er bei Haydn nicht zurück – und bedient sich ihrer bei Dvorak fast ein bisschen zu ausgiebig. An den leisen Passagen sollt ihr sie erkennen: das Doric hat einen luftigen, an der Grenze zum Unhörbaren liegenden Pianoton entwickelt, den es in die Werke gekonnt und sinnfällig einbaut. Manche Haydn-, aber auch Dvorak-Stellen klangen so, als hätte man sie nie zuvor gehört. Beeindruckend, und manchmal unerhört clever. 

Das Zentrum des Abends ist ein Stück, das die vier Briten erst kürzlich mit dem Komponisten gemeinsam einstudiert haben. Brett Dean (*1961) ist Australier, spielte Bratsche bei den Berliner Philharmonikern und ging dann in seine Heimat zurück, um fortan zu komponieren. Seine »Eclipse« für Streichquartett entstand 2003 und ist ein pulsierendes, farbiges Werk, bei dem es nicht schwerfällt, sich konkrete Bezüge zu den Klängen zu erfinden. Noch leichter fiel das, da der Doric-Bratscher Simon Tandree eine einfühlsame, ausführliche Werkeinführung voranstellte, in der er von der Arbeit mit Dean erzählte und einlud, die schwierige Wegstrecke gemeinsam zu gehen. Warum, warum, warum trauen sich das eigentlich nicht mehr Musiker?

Und dann stieg aus den Wiesen des Großen Gartens der weiße Nebel wunderbar.

01.06.2013Rezensionen