Vom Schuhputzer zum Millionär

Rezensionen

Vom Schuhputzer zum Millionär

Fotos: Peter Bäumler

Am Fastsnachtsabend ist es kalt in Bratislava. Total eingeschneit ist die Altstadt. Manche Straßenbahnen haben einen Schneepflug vorangespannt. Da möchte man doch gerne einen südlichen Hauch verspüren, musikalisch, in der Oper. Auf dem Plan steht „L´elisir d´amore“, „Nápoj Lásky“ oder auch „Der Liebestrank“ von Gaetano Donizetti. Gespielt wird im historischen Theater. Die Inszenierung von Povol Smolík ist 13 Jahre alt, also auch ein bisschen historisch. Aber man kann sich gut vorstellen, dass im Jahre 2000 die heitere Lesart den Nerv des Publikums traf. Nemorino macht das große Glück, der naive aber herzensgute und ehrliche junge Mann macht seinen traumhaften Aufstieg, vom Schuhputzer zum Millionär. Samt Liebesglück mit seiner angebeteten Adina im Arm ist er der große Gewinner. 

Und auch das mag damals gut den Nerv der Zeit getroffen haben, es gibt nur Gewinner in diesem heiteren Musiktheater, ein wenig im augenzwinkernden Charme der Commedia dell´arte. Belcore macht Karriere beim Militär und die attraktive Giannetta hat Gefallen am uniformierten Kasperletheater für Männer. Der Quacksalber Dulcamara meldet ein Patent an für Liebestränke aller Art und fertigt demnächst am Fließband bis die EU-Aufsichtbehörde kommt.

Dass diese Produktion schon 13 Jahre lang gespielt wird, ist nicht zu übersehen. Grundsätzlich aber stimmen die mit leichter Hand choreografierten Arrangements. Vor allem aber kann sich diese Aufführung hören lassen, und wie die Sängerinnen und Sänger sich hier präsentieren, das hat Geschmack und Charme. An der Spitze des Ensembles Marie Fajtová vom Prager Nationaltheater als Adina. Höhensicher und gewandt, sicher in den Koloraturen und vor allem jugendlich leuchtend besteht sie mit ihrem hellen Sopran die Anforderungen dieser nicht gerade leichten Partie. Otokar Klein ist Nemorino, der Schuhputzer und Plakatankleber. Er schleppt seinen Kinderstuhl mit sich, auch wenn dann die Leute vor ihm sitzen sind sie noch immer größer und gewaltiger als er. Das Bild funktioniert. Am Ende hat der große Sänger als Figur wahre Größe und die besteht auch darin, dass er den kleinen Mann in ihm nicht vergessen hat. Und wie er sich als Darsteller sehen lassen kann, so kann er sich auch als Tenor gut hören lassen. Gleiches gilt für den schneidigen Filip Túma als Belcore und Gustáv Belácek ist ein Liebestrankverkäufer dem man gerne auf den Leim geht. Nicht zu vergessen Miriam Mat´asová als Gianetta mit ihrem frischen Mezzosopran. Die Damen und Herren des Chores finden immer besser zusammen, beim Orchester unter der Leitung von Dusan Stefánek könnte es temperamentvoller klingen, oder ist es das historische Ambiente des Theaters, das den Klang ein wenig dämpft?

Aber in der Reprise nach 13 Jahren kommt die Aufführung gut an beim Publikum am Fastnachtsabend, es spart nicht mit Zwischenappalus und feiert seine Sänger am Ende gehörig.

11.03.2013Rezensionen