Was man mit Wagner alles machen kann

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Was man mit Wagner alles machen kann

In Leipzig gibt es einen Ring für Kinder. In der Deutschen Oper Berlin wird die legendäre Produktion „Ring um den Ring“ vom Maurice Béjart wieder aufgenommen. Zehn Jahre hatte der Choreograf daran gearbeitet, ehe dieses außergewöhnliche Werk 1990 mit dem Ballett der Deutschen Oper uraufgeführt wurde. 2004 hat er es noch einmal für das Staatsballett bearbeitet; diese Fassung kommt jetzt noch einmal auf die Bühne. Mario Schröder und seine Schwester Silvana bereiten für das Ballett der Oper Leipzig einen Abend mit dem Titel „Ein Liebestraum“ vor und kombinieren Wagners Zyklus „Wesendonck-Lieder“ mit Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ und das Vorspiel und den Liebestod auch „Tristan und Isolde“ mit einer zeitgenössischen Komposition von Magnus Lindberg. Und nun erscheint in der BelAir Edition ein Ring ohne den bekannten Gesang, ohne großes Orchester. Ein Mann allein und Richard Wagners ganze Tetralogie samt Vorspiel! Die vierteilige DVD erschien vor einigen Tagen als Gesamtausgabe. 

Kaminski ist ein Sprachkünstler im besten Sinne. Er vertraut dem Wort, hat Lust an der Musikalität der Wagnerschen Dichtung, er spürt den Feinheiten nach und kommt dem subtilen Humor des Werkes wesentlich näher als übliche Opernaufführungen. Kontrabass, Glasharfe, eine Zither, elektronische Orgel, Schlagwerk und ein Feuerwerk der Soundkunst verblüffen mit tontechnischen Raffinessen. Atmen, Flüstern, Schreien, die Füße des Schauspielers in Kieselsteinen, ein Hammer und Küchengerät, Kamisnki und seine Mitspieler Sebastian Hilken (Kontrabass und Percussion), Hella von Ploetz (Glasharfe), Richard Nürnberg (Sound Engineer) und der Lichtdesigner Alexander Gau können rocken in bester Rammsteinmanier und dann wieder die zartesten Klangvisionen zaubern. Als Wotan durchkreuzt Kaminski sein linkes Auge, als Loge zündet er ein Streichholz an.

Nicht alles ist der reine Wagner. Da sind raffinierte Brüche und kluge Kommentierungen. Und gesungen wird ja auch! Als Urmutter Erda verhüllt Stefan Kaminski sein Gesicht und deklamiert die ungehörte Warnung, die das unaufhaltsame Unheil nicht verhindern wird. Am Ende plätschern die Rheintöchter nicht mehr, sie schreien als das betrogene Gewissen der Welt, und das schwüle Gedünst liegt in der Luft. Was Kaminski da macht, ist großes Theater, ein Spiel zum Hören. Wer meint, er kenne die Geschichte, wird überrascht sein, was er vielleicht bisher überhört hat. Und so wird es weiter gehen, in wesentlich weniger als 16 Stunden. Nach 80 Minuten „Rheingold“ folgen „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Die Götterdämmerung“ jeweils in gut 90 Minuten. Kaminski geht geht im Wagnerjahr mit seinem außergewöhnlichen Experiment aus Tour, von Berlin bis Bayreuth. Dresden steht bislang nicht auf dem Tourneeplan, also doch DVDs und diesen Ring an einem Abend reinziehen.

Der Ring Des Nibelungen – Kaminski On Air (Richard Wagner) [4 DVDs]. Darsteller: Stefan Kaminski, Sebastian Hilken, Natascha Zickerick, Richard Nürnberg, Hella von Ploetz. Theater Edition (Harmonia Mundi), 344 min., ca. 45 EUR. 

06.03.2013Neue Aufnahmen