Boas, Burmeister, Büchner – und Bär

Kolumnen

Boas, Burmeister, Büchner – und Bär

Weiter im persönlichen Erinnerungs-ABC der Wagnersänger!

Beim Buchstaben „B“ fallen mir sofort eine Sängerin und zwei Sänger ein, sie ich in Wagnerpartien, in Dresden, im Großen Haus, später in der Semperoper und in Berlin gehört habe, aber sie waren wohl alle drei auch Wagnersänger. Da ist die Altistin Annelies Burmeister, 1988 im Alter von nur 60 Jahren verstorben, der Bariton Olaf Bär und der Tenor Eberhard Büchner. Alle drei kennt und schätzt man neben ihren Erfolgen auf den Opernbühnen in hohem Maße als Konzert- und Liedersänger und als Interpreten geistlicher Werke.

Annelies Burmeister gehörte dem Ensemble der Dresdner Staatsoper von 1966 bis 1968 an, dann ging sie an die Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Von Dresden aus wurde sie aber schon nach Bayreuth engagiert. Sie sang die Partie der Fricka in „Das Rheingold“ und „Die Walküre“, sie sang hier die zweite Norn in „Die Götterdämmerung“ einen Edelknaben und das Altsolo in „Parsifal“ und mit der Brangäne in „Tristan und Isolde“ ihre größte Wagnerpartie. Da war immer etwas Samt auf der dunklen Stimme. So hört man es in etlichen Aufnahmen anderer Werke, und als sie in Harry Kupfers Dresdner Inszenierung von „Tristan und Isolde“ aus dem Jahre 1975 gastierte weil Barbara Gubisch die DDR verlassen hatte, da habe ich Annelies Burmeister als Brangäne erlebt, der Eindruck ist nach wie vor lebendig. Aber in glänzender Erinnerung ist bei mir die Mozartsängerin Burmeister als Dorabella in „Cosi fan tutte“, im Apollo Saal der Berliner Staatsoper, heute würde man vielleicht von einer Kultaufführung sprechen. Die von Otmar Suitner oder Wolfgang Rennert dirigierten Vorstellungen waren immer ausverkauft. Ich sehe die beiden Primadonnen noch heute und habe die Klänge ihres Duettes im Ohr, Annelies Burmeister als Dorabella und Celestina Caspietra als Fiordiligi, „Ah guarda, sorella“.

In der Tenorpartie des Ferrando wechselten sich die beiden Startenöre der DDR ab, beide begannen ihre Laufbahn in Dresden, Peter Schreier und Eberhard Büchner. Und es war ein Überraschung, als der 1939 in Dresden geborene Eberhard Büchner 1988 als Parsifal in der Inszenierung des Bühnenweihfestspiels von Theo Adam unter der musikalischen Leitung von Hans Vonk debütierte. Büchner war fast 50, aber noch immer klang der helle Funke des Mozartsängers mit an, ein besonderes Ereignis, dieser Abend des 21. Mai 1988.

Eine Karriere als Wagnersänger hat der Dresdner Bariton Olaf Bär im eigentlichen Sinne nicht gemacht, obwohl er den Grünen Hügel von Bayreuth auch erklommen hat. Seine Vorzüge lagen und liegen auf anderen Gebieten, und da hat man außerordentliche Aufführungen, Konzerte und Liederabende in der Erinnerung. Aber gerade die Tugenden des Liedsängers Olaf Bär müssen es wohl gewesen sein, die seine Abende als Wolfram im „Tannhäuser“ den er mitunter in der Einstudierung von 1987 alternierend mit Andreas Scheibner übernahm, in so wacher Erinnerung haben bleiben lassen.

Und noch eine Sängerin mit „B“: Was wären Sängerinnen und Sänger, die inzwischen internationale Karrieren im Wagnerfach gemacht haben, wie beispielsweise Camilla Nylund oder Klaus-Florian Vogt, ohne Irmgard Boas? Vor fünf Jahren gratulierte auch Musik in Dresden der gefragten Lehrerin zum 80. Geburtstag. Irmgard Boas war der Dresdner Staatsoper gastweise verbunden, sie gehörte im Wagnerfach u.a. zum Ensemble des Theaters in Dessau, dem Bayreuth des Nordens, sang die Partie der „Venus“ in Erfurt. Ich erinnere mich an ihren fulminanten Abschied von der Opernbühne in Halle als Salome und natürlich an eine eindrucksvolle Gerhilde, die Irmgard Boas in der Walkürenschar der Berliner Staatsoper sang.

25.02.2013Kolumnen