Happy End mit Slapstickfaktor

Kolumnen

Happy End mit Slapstickfaktor

Angeblich sind ja die Phönizier schuld an jenem Problem, das für viele Menschen Hauptproblem ihres Lebens zu sein scheint – Geldmangel. Warum die Phönizier? Die haben das Geld erfunden; aber leider nicht genug davon. Bloß an der sinnlosen Bevölkerungsexplosion kann das nicht liegen. Vielleicht hat es doch mit der Verteilung zu tun? Oder etwa mit Ungerechtigkeit in dieser gerechtesten aller Welten?! Oder schlicht mit schlechten Rechenkünsten?

Um die Verteilung von Geld ging es in dieser Woche jedenfalls bei den Schildbürgern von Dresden. Die hatten sich ja grad noch eine Haushaltssperre verordnet, weil sie der surrealistischen Steuergesetzgebung Deutschlands aufgesessen sind und mit Einnahmen gerechnet haben, die schon zu Ausgaben umgemünzt worden sind, bevor sie überhaupt da waren. Und dann kamen sie nicht. Plötzlich und unerwartet wurden nun jedoch – trotz Haushaltssperre – Gelder verteilt. Also zugewiesen. „In Größenordnungen“, wie der tumbe Staatsdiener sagt.

Damit konnte jedenfalls die wiedermal drohende Insolvenz des Heinrich-Schütz-Konservatoriums wiedermal abgewendet werden; was für ein Glück. Man hat sich dort offenbar daran gewöhnt, dass finanzieller Fehlbedarf immer mal auftreten und jedesmal wieder ausgeglichen werden kann. Ein Wunder ist das jedoch nicht, wenn man von den Finanzjongleuren in Stadt und Land abhängig ist. Die sich ja gerne auch mal als Hasardeure aufspielen und sich nicht gegenseitig in die Karten schauen lassen wollen. Wie praktisch.

In Schildau hat man solchen Engpässen vorgebaut und einen Kulturbürgermeister ermannt, der zugleich im Vorstand des Trägervereins dieses Konservatoriums sitzt. Dass ausgerechnet der nun seiner Institution einen Rüffel wegen der nicht mal 400.000 fehlenden Euro erteilt (Erdnüsschen!), ist schon pikant. Wer nämlich die politischen Zeichen genau liest, bemerkt, dass der Kulturbürgermeister die Mehrkostenforderung der Musikschule in vorauseilendem Gehorsam zusammengestrichen hatte, bevor die Oberbürgermeisterin überhaupt mu oder mäff sagen konnte. Was sagt uns das eigentlich über die Kulturleidenschaft und den Kampfeswillen unseres Beigeordneten? 

Egal, wie slapstickhaft die Volten der Stadt anmuten: was zählt, ist, dass das Finanzloch des Konservatoriums zumindest im Dresdner Doppelhaushalt der Jahre 2013/2014 gestopft ist. Erhöht werden nun auch die Zuschüsse für Kraszewski-Museum, Kunst im öffentlichen Raum, Stiftung Deutsches Hygiene-Museum, Societaetstheater und andere Projekte – teilweise um fünf- und sechsstellige Beträge. Und woher kommt dieser Geldsegen? Dresden brauchte sich dazu nicht mal der Hehlerei deutscher Finanzministerien bedienen, die für dubiose CDs aus der Schweiz Unmengen an Steuergeld ausgeben. Dresden musste einfach nochmal nachrechnen. Und schon fand sich ein Rechenfehler über immerhin 1,46 Millionen Euro. Die wurden irrigerweise für Personalkosten an der Staatsoperette zu hoch veranschlagt. Kann ja mal passieren.

Schauen Sie sich Ihre Gehaltsabrechnung besser nochmal genau an! Bis nächsten Freitag ist Zeit –
Michael Ernst

30.11.2012Kolumnen