„Nächster Halt: Semperoper!“

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„Nächster Halt: Semperoper!“

Foto: Matthias Creutziger

Ein Gespräch mit Christian Thielemann über sein spätes Operndebüt in Dresden – das eigentlich gar kein Debüt ist. Nebenbei haben wir ihn erstmals auch über die Intendantennachfolge an der Sächsischen Staatsoper gefragt. Geht es nach Thielemann, braucht das Haus einen erfahrenen internationalen Kontakteschmied vom Schlage eines Peter Alward oder einer Pamela Rosenberg. Denn eins ist klar – der Dresdner Intendantensessel ist einer der wunderbarsten Arbeitsplätze überhaupt…

Christian Thielemann, Sie sind zwar erst seit September im Amt, aber da Sie schon so lange mit der Staatskapelle arbeiten, könnte Ihr Operndebüt „erst jetzt“ doch manch einen überraschen?

Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht. Jetzt hat es sich so ergeben. Sehen Sie, ich war sieben Jahr in München und habe sieben Jahre lang nicht an der Staatsoper dirigiert, trotz aller Anfragen. Es hat irgendwie nie gepasst.

Hat Dresden Sie in der Zeit nie gefragt?

Doch, doch, Gerd Uecker fragte immer mal an, aber terminlich ging das irgendwie alles nicht. Konzerte sind da einfacher gewesen.

Wieso dirigiert der Wagner-Experte nun den „Rosenkavalier“ von Strauss?

Das ist ja mein Leib- und Magenrepertoire. Ich freue mich, diese Oper mit diesem Orchester zu machen. Und auf die Akustik in diesem Haus. Den „Rosenkavalier“ hab ich ja schon so oft gemacht, den kenne ich wirklich gut. Da können Sie mich nachts um vier wecken und ich dirigiere Ihnen das vor.

Früher gab es sogenannte „Rosenkavalier“-Züge die das Berliner Publikum nach Dresden brachten. Ob so etwas heute auch Erfolg hätte?

Das glaube ich schon. Man müsste ein Busunternehmen organisieren, mit dem man komfortabel reisen und den Gästen auch was servieren könnte, da gibt es bestimmt ein Interesse. Vielleicht schafft’s ja doch die Bahn? Vor hundert Jahren hat sie es auch geschafft, aber damals ging es ja auch schneller von Hamburg nach Berlin als heute, eigentlich irre. Ich hab schon mit dem Ministerpräsidenten drüber gesprochen. Die technischen Möglichkeiten hätte man ja. Da muss doch was möglich sein!

Werden Sie alle Aufführungen selbst dirigieren?

Ja, natürlich! Aber die Besetzung wird wechseln, wir haben da ganz tolle Leute. Jetzt singt Soile Isokoski die Feldmarschallin, im Sommer wird es Anne Schwanewilms sein. Octavian singt jetzt Daniela Sindram, dann Elina Garanca. Daniela Fally als Sophie, Wolfgang Bankl und Peter Rose als Ochs – alles vom Feinsten.

Warum debütieren Sie eigentlich mit dem „Rosenkavalier“?

Ein weiteres Debüt steht übrigens heute Abend ab 20.15 Uhr an: dann stellt Christian Thielemann sein neues Buch mit dem Titel »Mein Leben mit Wagner« im Gespräch mit Ijoma Mangold in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen vor. Auszüge aus dem Buch liest der Schauspieler Friedrich-Wilhelm Junge. Musikalisch umrahmt wird die Buchpräsentation von SemperBrass mit Wagner-Transkriptionen.

Der ist so schön schwer zu dirigieren! Ach was, ich hatte einfach Lust drauf. Und am Uraufführungsort ist der „Rosenkavalier“ immer was besonderes, also genau richtig. Ich wollte einen Ortsbezug. „Elektra“ wäre auch gegangen, aber das ist ja so laut! Da wird es aber eine Neuinszenierung geben.

Ihre erste Opernpremiere wird weder Strauss noch Wagner sein, sondern Puccini, warum?

Damit setze ich das fort, was ich schon in Berlin angefangen hatte. Nachdem ich dort mit allen Bayreuther Wagner-Opern durch war, wollte ich mich auf Puccini und den späten Verdi werfen. Jetzt bin ich an einem Opernhaus und mache da weiter. „Manon Lescaut“ wollte ich immer schon mal dirigieren. Darauf freue ich mich sehr.

Wie sieht es inzwischen mit der Zukunft der Oper aus, Stichwort Intendantennachfolge?

Wir müssen da jemanden finden, der erfolgreich international Kontakte schmieden kann. Die Semperoper ist ein internationales Haus. Finden Sie da mal den Richtigen! Ulrike Hessler und Eytan Pessen haben wunderbar zusammengearbeitet. Jetzt müssen wir sehen, wer diese Arbeit fortsetzen kann. So ein wunderbarer Arbeitsplatz, da können Sie sich gar nicht vorstellen, wer sich auf einmal nach langem Schweigen alles wieder bei mir meldet. Da wird erst über dies und das geredet und dann heißt es: wie steht’s eigentlich mit der Intendanz in Dresden? Dann weiß ich, aha, daher weht der Wind! Da stell ich mich taub. Wir brauchen jemanden, der zu mir passt, möglichst keine Interimslösung. Aber wir stehen zum Glück nicht unter Druck, es ist ja alles sehr gut geplant. Forcieren muss man da nichts. Denn diese Entscheidung ist eine Investition in die Zukunft.

Das Gespräch führten Michael Ernst und Martin Morgenstern.

„Der Rosenkavalier“ – 18., 21., 27. November 2012; 9., 12., 16. Juni 2013

05.11.2012Interviews