Wenn der Elbphilharmonie-Intendant ‚Best Practice‘ erklärt

Kolumnen

Wenn der Elbphilharmonie-Intendant ‚Best Practice‘ erklärt

Gestern flatterte eine Einladung auf meinen Tisch: "Das Thema „Neues Konzerthaus für Dresden oder Umbau Kulturpalast“ beschäftigt die Dresdner Kulturwelt nun schon seit vielen Jahren," schreibt Helena Spörlein, die beim Forum Tiberius für die Veranstaltungen zuständig ist. "Nach der Absage von Seiten der Europäischen Union, den Umbau des Kulturpalastes finanziell zu unterstützen, ist dieses Thema aktueller denn je. Das FORUM TIBERIUS – Internationales Forum für Kultur und Wirtschaft e.V. möchte aus diesem Grunde mit einer prominent besetzen Gesprächsrunde die möglichen Chancen und Perspektiven eines Konzerthauses für Dresden diskutieren und lädt Sie dazu herzlich ein."

Was denn, noch eine prominent besetzte Gesprächsrunde, mag der diskussionsmüde Kulturstädter denken. Immerhin, aus Dresden wird sich im laufenden Verfahren Hänsch gegen die Stadt ja niemand auf einem Podium äußern. Da laden wir uns also den Elbphilharmonie-Intendanten Christoph Lieben-Seutter ein und lassen ihn zum Thema "Best Practice – Chancen und Perspektiven eines Konzerthauses" referieren. Ihm zur Seite sitzen werden am Sonntag im Hygienemuseum: Dr. Thomas Angyan, der Intendant des Wiener Musikvereins, Matthias Naske, der Intendant der Philharmonie Luxembourg und Benedikt Stampa, der Intendant des Konzerthauses Dortmund (dessen liebste Schallplatte: na bitte, eine mit Kurt Sanderling). Wer jetzt doch neugierig geworden ist: um 11 Uhr geht es los. Um vorherige Anmeldung per E-mail wird allerdings gebeten: bitte schreiben Sie an veranstaltungen@forum-tiberius.org.

"Alles noch schlimmer mit Zwinger-Festspielen," twittert der Chefredakteur der DNN gerade. Wer's genauer wissen will, schaue morgen in die Zeitung. Nicht ganz so schlimm wie befürchtet scheint es dagegen mit der Reihe "Jazz in der Semperoper" zu stehen: für kommenden Dienstag hat die Oper Pressevertreter zu einem Gespräch darüber "in lockerer Runde" geladen. Und Hiobsbotschaften verkündet man doch nicht auf diese Weise, oder?

Wer nicht bis Dienstag warten will, kann ja morgen abend, zur ersten "Roten-Sofa"-Veranstaltung des Jahres, die eingeladene Chefdramaturgin Nora Schmid befragen. Um 20 Uhr gehts los, das Sofa steht – nach Ausflügen ins Umland – nun erst einmal wieder in der "Tonne". Nora Schmid zur Seite sitzt dann Sebastian Krumbiegel, und in dieser Mischung dürfte es richtig knistern: immerhin behauptete der ehemalige "Herzbube" einst: Ich bin der schönste Junge aus der DDR – und aus dem RGW…

Zum Ausklang – nein, nicht die Nationalhymne, sondern ein kleines Jubiläum: heute vor genau einem Jahr gab das eingangs erwähnte FORUM TIBERIUS die Inhalte des dritten, für 2013 oder 2014 geplanten "World Culture Forums" bekannt. Schwerpunkte werden unter anderem sein: Überlegungen zum immateriellen Wohlstandsbegriff (Zitat: "Materieller Wohlstand kann nicht mehr als Privileg erachtet werden"), kulturelle Nachhaltigkeit, Vielfalt und Bildung sowie Fragen der Migration und Integration.

Liebe Kollegen des Wirtschaftsforums: bürdet doch der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft ruhig etwas von eurem materiellen Wohlstand auf. Ich verspreche, wir werden ihn mit Fassung tragen.

23.02.2012Kolumnen