Voll und laut

Kolumnen

Voll und laut

Jazz im Januar war eine gute Zeit. Am Neujahrstag funkelte der Jazzclub Tonne mit einer schon angestammten Tradition auf und holte sich Urgesteine wie Ernst-Ludwig Petrowsky, Conny Bauer, Ulrich Gumpert und Günter Baby Sommer ins Gewölbe. Das legendäre Zentralquartett! Kann ein Jazz-Jahr denn schöner beginnen? Wohl kaum. Aber es wurde eindrucksvoll fortgesetzt. Von den genannten Urgesteinen ging es zum Nachwuchs, die Musikhochschule schickte ihre singende und schlagende (!) Studentenschaft in die Tonne – zur 56. Vocal Night sowie zur 3. Drumming Night. Der Besucheransturm gab dieser Form von künstlerischer Zusammenarbeit einmal mehr vollkommen Recht. Voll und laut war es auch beim Aufspiel von FIRE!, einem Jazztrio um den Saxofonisten und Keyboarder Mats Gustafsson. Der feurige Name ist tatsächlich Programm. Wie gut, dass er solchen Zuspruch findet!

Auch Nils Wülker und Arne Jansen feuerten einiges ab. Dabei waren sie, die zuvor hier in weit größerer Besetzung auftraten, diesmal nur zu zweit. Doch das Duo bestach mit fulminantem Zusammenspiel und entfachte neben dem originären Instrumentarium Trompete und Flügelhorn sowie akustische und E-Gitarre einen einfallsreichen Sound aus elektronischen Helfershelfern, die Verfremdungseffekte ebenso erzeugten wie den Eindruck eines ganzen Orchesters. Dass nach dem Erfolg der bisherigen Hochschul-Jazz-Nächte nun auch eine Bass Night ins Leben gerufen werden soll, also gezupft und gestrichen, das stimmt einmal mehr hoffnungsvoll. Die Bassistenklasse von Jäcki Reznicek, Tom Götze und Tino Scholz greift am 25. Januar in die Saiten.

Bereits ausgetobt hat sich bis dahin Jazz-Gitarrist Joe Sachse. Der eröffnete am vergangenen Wochenende die Ausstellung „Jazz + andere Welten“ von Matthias Creutziger in der Galerie Beyer im Hechtviertel. Die unbedingt sehenswerten Arbeiten beinhalten Aufnahmen von großartigen Jazzkoryphäen aus aller Welt sowie von bemerkenswerten Graffiti-Ausschnitten aus Dresdens Neustadt. Außerdem tritt eine jüngere Leidenschaft Creutzigers in Erscheinung: Puppenköpfe! Erstmals alle drei Themen gepaart, wobei das Entree mit den historischen Schaufensterpuppen, die Opern- und Jazzfotograf Creutziger da voller Melancholie in Szene gesetzt hat, am beeindruckendsten scheint.

Nun wollen wir aber nicht nur auf den Jazz-Januar zurückschauen, sondern auch eine Einstimmung auf das Februar-Feeling in Sachen improvisierter Musik zu geben versuchen.

Da geht der Feature-Ring in eine weitere Runde und wechselt – mal wieder – den Ring. Nach Studentenklub und Tingeltangel durch die Neustadt ist diese seit Jahren beständige Jazzreihe nun im Festspielhaus Hellerau angekommen. Ja, die drei Musiker fühlten sich mit ihrer genialen Idee, die sie eins ums andere Mal mit gehobener Spielfreude und unglaublicher Musikalität paaren, schon längst zu höheren Weihen berufen. Warum nicht an diesem vor 100 Jahren errichteten Ort, einst Wallfahrtsstätte des Neuen, Ungebundenen? Der Auftakt wird am 8. Februar mit der Berliner Sängerin Alin Coen erklingen.

Und weil wir schon mal in diesen nächsten der Wintermonate blicken: Heiß hergehen wird es garantiert beim hoffentlich doch noch nicht letzten „Jazz in der Semperoper“, den die kulturellen Medienpartner MDR Figaro und DNN gemeinsam präsentieren. Diesmal steht der fast 70jährige Trompeter Tomasz Stanko auf der Bühne des Hauses und stellt sein ECM-Projekt „Dark Eyes“ vor. Mit von der Partie: Dominik Wania am Klavier, Slawomir Kurkiewicz am Bass und Olavi Louhivuori am Schlagzeug. Ob dieses Konzert nun der Abschied von einer so liebgewordenen wie verdienstvollen Reihe ist oder nicht (auch Günter Baby Sommers „Kommeno“-Projekt müsste an dieser Stelle aufgeführt werden, um nur ein einziges Beispiel zu nennen), Dresdens Jazzfreunde sollten das Konzert nicht verpassen.

Und sowieso sollten sie vom 6. bis zum 11. Februar der Tonne beistehen, die zum zwanzigjährigen Bestehen des ACT-Labels gemeinsam mit vier weiteren Clubs deutschlandweit ein kleines Festival mit den Besten der Besten ausrichtet: Leszek Mozdzer, das Verneri Pohjola Quartet mit (und ohne) Jens Thomas, Ulf Wakenius, Yaron Herman sowie Danilo Rea & Flavio Boltro nebst Julian & Roman Wasserfuhr geben sich musikalisch die Klinken in die Hand. Das sind echte Jazztage in Dresden!

Einen jazzigen Monat wünscht
Aldo Lindhorst

23.01.2012Kolumnen