Ein Held im Alltag

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Ein Held im Alltag

Ein Heldentenor auf dem zweiten Bildungsweg: Klaus Florian Vogt (Foto: PR)

Klaus Florian Vogt, eigentlich unglaublich: die Wagnerjünger jubeln nah und fern, Sie gelten als Shooting Star der Szene, und jetzt steigen Sie hier still und heimlich in eine Repertoire-Oper ein. Es gibt sogar noch Karten!

Hm, Dresden ist eben immer so ein bisschen abseits auf der Landkarte. Die Erfahrung habe ich schon gemacht, als ich hier festangestellt war. Aber ich freue mich auf die Vorstellungen.

Wenn Sie sich an diesen Sommer in Bayreuth zurück erinnern: wie viele Dinge mussten da glücklich zusammenkommen, damit Sie einen solchen Eindruck hinterlassen konnten? War auch Glück dabei?  

Der Bayreuther Erfolg beruht auf einer Entwicklung von fast zehn Jahren. Das war ja nicht so, dass da etwa ein Knoten platzte, nein; ich habe lange darauf hingearbeitet. Gerade den Lohengrin habe ich oft gesungen und mich mit dieser Partie auf verschiedenste Weise beschäftigt. Die andere Sache ist natürlich schon, dass in Bayreuth viele Sachen zusammengekommen sind. Eine gute Inszenierung, und damit das Glück, mit Hans Neuenfels diese Partei noch mal von einer anderen Seite neu zu beleuchten. Ich habe da neue Farben gespürt: sängerisch als auch vom Ausdruck her.

Wie kann ein Regisseur zum Erfolg eines Sängers beitragen?

Neuenfels hat mich und die anderen motiviert, ganz intensiv zu spielen, emotional zu sein. Das hat sich auf das Publikum übertragen. Ein weiterer Faktor ist, dass wir als Kollegen gut zusammenpassen. Wir hatten Lust, miteinander zu spielen, passten auch stimmlich gut. Niki Lauda hat mal gesagt: die Gesamtleistung kann nur stimmen, wenn die Details stimmen.

Meine Urgroßmutter behauptete immer: aus vielen guten Zutaten kann gar nichts schlechtes werden.

Da haben Sie’s. 

Gehen wir doch kurz an die Anfänge zurück: Sie sind eigentlich ausgebildeter Hornist und hatten eine feste Stelle. Und dann – war da noch eine Sehnsucht?

Das Problem ist: wenn man im Orchester landet, ist man schon relativ früh im Leben an einem Endpunkt angelangt. So schön das ist – ich habe das sehr genossen und wollte das gern – aber trotzdem, du siehst: dreißig Jahre machst du jetzt deinen Dienst nach Dienstplan, von kleinen Ausschlägen nach oben oder unten abgesehen bleibt alles in einem ähnlichen Duktus. Da habe ich schon gedacht: ob mir das auf Dauer genügen wird?

Wer gab denn den Ausschlag, noch einmal aus diesem Leben auszubrechen?

Das hört sich jetzt an wie eine ausgedachte Geschichte: meine damalige Freundin wollte genau so zielstrebig auf die Opernbühne wie ich ins Orchester. Eines Tages fragte sie mich aus Quatsch, ob wir nicht für eine Familienfeier im Duett singen wollten. In meiner Familie war Singen eigentlich nicht an der Tagesordnung…

Lassen Sie mich raten: miau-miau, das "Katzenduett"?

…Genau. Rossini. Das war mein erster Kontakt mit solistischem Singen. Meine Freundin und jetzige Frau war nur bedacht darauf, dass ich die richtigen Töne zur richtigen Zeit singe. Aber da waren Leute bei der Feier, die meine Stimme lobten. Da bin ich hellhörig geworden. Ich wollte wissen, ob was dran ist. Ich bin mit zum Gesangslehrer meiner Freundin gegagen und hab ihm vorgesungen. Er hat mir erst einmal eröffnet, dass ich ein Tenor bin! Es hat mich gereizt, da ein bisschen weiterkommen; ich habe etwas privat studiert, dann die Aufnahmeprüfung gemacht und wurde genommen. Neben meiner beruflichen Tätigkeit als Hornist habe ich dann also noch Gesang studiert. Dass sich daraus aber wirklich etwas entwickelt, habe ich nicht angenommen.

In den nächsten Tagen singen Sie nun wieder an der Semperoper. Wie läuft so ein Rolleneinstieg in eine ältere Inszenierung eigentlich – diese "Tosca" von Johannes Schaaf ist ja schon von 2009? 

Wir haben dafür insgesamt eine Woche Probenzeit. Erst einmal wurde ich auf der Probebühne in die Inszenierung eingewisen. Da werden erst mal die Gänge geklärt, dann trifft man natürlich die Kollegen… Später kommt der Dirigent dazu, man spricht sich ab. Heute hatten wir eine Bühnenprobe, noch trocken, also mit Klavier. Am Freitag geht’s dann mit Orchester weiter.

Ihre nächsten Termine diesen Monat sind in Mailand (Beethoven, 9. Sinfonie), Anfang Januar gehts dann in München mit dem "Fliegenden Holländer" und der "Walküre" weiter, dann stehen Barcelona, Tokio, und auch wieder Bayreuth auf dem Plan. Singen Sie auch einmal bewusst längere Zeit nicht?

Absolut, das muss ich tun! Das hat vor allem mit der mentalen Belastung zu tun. Ich muss mir diese Auszeiten nehmen. Das mache ich wirklich mit Absicht: eine Woche sing ich mal gar nicht, oder höchstens ein Schlaflied für meinen kleinen Sohn.

 

Semperoper Dresden, "Tosca" 

Vorstellungen: 10., 14., 17., 28. Dezember 2011; 2., 13. Januar 2012, jeweils 19 Uhr, Semperoper Dresden

10.12.2011Interviews