War Requiem und Jazzmesse: ein wochenendlicher Konzertspaziergang durch Dresdner Kirchen

Kolumnen

War Requiem und Jazzmesse: ein wochenendlicher Konzertspaziergang durch Dresdner Kirchen

Geburtstag eines Genies – Zwei Konzerte mit Musik von Franz Liszt in der Dresdner Kathedrale

Am Sonnabend, dem 22. Oktober, finden um 15.30 und 19.30 Uhr festliche Konzerte zum 200. Geburtstag von Franz Liszt in der Kathedrale statt. Es erklingt u. a. die Dante Sonate mit der Dresdner Professorin Pia Kaiser am Steingraeber Liszt Flügel, der extra für dieses Konzert in der Kathedrale aufgestellt wird. Einen klanglichen Kontrast setzt dazu die Silbermannorgel, auf der Domorganist Thomas Lennartz die bekanntesten Orgelwerke von Franz Liszt spielen wird. Mitglieder der Dresdner Kapellknaben erweitern das Programm mit A-Capella Stücken.

Die Dresdner Kathedrale und die Stiftung Musica Sacra Saxoniae würdigen mit den Konzerten eine schillernde und eindrucksvolle Künstlerpersönlichkeit des 19. Jahrhunderts. Liszt, geboren in Ungarn, heute Burgenland/ Österreich, war als Wunderkind aufgewachsen und erzogen worden, hatte schon in jungen Jahren eine ebenso glanzvolle wie widersprüchliche Karriere als Tastenvirtuose (Paganini des Klaviers) durchlaufen, prägte später als Kapellmeister Weimar und lebte im Alter in Rom, zeitweise im Vatikan. Von Kindheit an war er ein gläubiger Mensch, im Laufe seines wechselvollen Lebens gab es Zeiten großer Kirchennähe und relativer Kirchenferne. Im letzten Lebensabschnitt verband er sich eng mit der katholischen Kirche, widmete sich intensiv der Kirchenmusik, erhielt die niederen Weihen, trug Tonsur und ließ sich Abbé nennen.

Eintrittskarten zu 10 – 14 EUR sind in ausgewählten Vorverkaufsstellen (Kulturpalast, Kreuzkirche, St. Benno-Buchhandlung, DNN Hauptstrasse) und an der Abendkasse erhältlich.

 

„Ein Plädoyer für Verständnis“ – Brittens bewegendes Meisterwerk in der Frauenkirche

"Ich bin der Feind, den du getötet hast, Freund" – welch kraftvolle Aussage, die den Wahnsinn von Krieg unmissverständlich werden lässt und gleichzeitig die Botschaft möglicher Versöhnung offenbart. In ihr kulminiert Benjamin Brittens War Requiem, das wie kaum ein zweites in aller Eindringlichkeit Anklage gegen kriegerische Zerstörung erhebt. In der Dresdner Frauenkirche ist es am 22. Oktober zu erleben – einem Ort, der gleich der Kathedrale in Coventry, für die das Werk einst geschrieben wurde, Narben alter Wunden trägt und doch für die heilende Kraft der Versöhnung steht.

„Die Aufführung des War Requiems in der Frauenkirche verbindet die gemeinsame Friedensbotschaft von Werk und Ort eindrücklich. Nicht nur durch die Geschichte, sondern vor allem durch unser gemeinsames Wirken für Frieden und Versöhnung sind wir mit der Kathedrale in Dresdens Partnerstadt Coventry eng verbunden und damit mit der Aussage des Werkes, das ihr gewidmet ist“, erklärt Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt. „Die Konzerbesucher erwartet ein Werk, dass sie tief bewegen und dessen räumliche und klangliche Umsetzung beeindrucken wird.“

Benjamin Britten, überzeugter und leidenschaftlicher Pazifist, hatte sich lange ehe er den Kompositionsauftrag anlässlich der Weihe der neuen Coventry Cathedral bekam, mit der Idee eines Werks getragen, dass durch Anklage und Mahnung aufrüttelt. Es entstand ein Meisterwerk, das bis heute eines der am breitesten anerkannten Kompositionen des 20. Jahrhunderts ist. Britten verband hierfür den Text der lateinischen Totenmesse mit Gedichten von Wilfried Owen – einem jungen englischen Lyriker, der 25-jährig im Ersten Weltkrieg fiel. Dessen Gedichte „voller Hass auf die Zerstörungswut“ seien „eine Art Kommentar zum Requiem“, schrieb einst der Komponist.

In der Frauenkirche wird das oratoriumsartig angelegte Werk von der australischen Sopranistin Miriam Gordon-Stewart, dem britischen Tenor Andrew Staples und dem ebenfalls aus England stammenden William Shimell gemeinsam mit dem Philharmonischen Kinderchor Dresden, dem Philharmonischen Chor Brünn und der Dresdner Philharmonie aufgeführt.

Das Konzert leitet Simone Young, die seit 2005 Intendantin der Staatsoper Hamburg und Hamburgische Generalmusikdirektorin der Philharmoniker Hamburg ist. Hier dirigiert die gebürtige Australierin ein breites musikalisches Spektrum, das neben Mozart, Verdi, Puccini, Wagner, Strauss und Hindemith gerade auch Benjamin Brittens Werke umfasst. Aus der genauen Kenntnis des Werkes und seiner Aussage heraus war es ihr ein Bedürfnis, das War Requiem in der Frauenkirche aufzuführen: „Dieses beeindruckende Werk wurde für die Versöhnung zwischen den Völkern geschrieben – für die wiedererbaute Frauenkirche erscheint es mir perfekt.“ Einen besonderen Reiz sieht Young in der sowohl länder- wie generationsübergreifenden Besetzung: „Das Werk beinhaltet eine Elegie für verstorbene Generationen und ein Plädoyer für Verständnis“, erklärt sie. Dies komme mit den internationalen Solisten, dem Chor aus Brünn und den Dresdner Klangkörpern einerseits und der Verknüpfung junger und erwachsener Stimmen andererseits besonders zur Geltung.

Sa, 22. Oktober 2011 20:00 Uhr – Frauenkirche
Benjamin Britten: War Requiem für Sopran, Tenor und Bariton, Chor, Knabenchor, Orchester und Kammerorchester

Karten sind im Vorverkauf erhältlich (Ticketservice der Frauenkirche, Georg-Treu-Platz 3, Mo bis Fr 9 -18 Uhr, Telefon (0351) 656 06 701, ticket@frauenkirche-dresden.de , über das Besucherzentrum Frauenkirche im Kulturpalast, Galeriestraße, Mo bis Sa 9:30 bis 18 Uhr, im Internet unter www.frauenkirche-dresden.de und an allen CTS-Vorverkaufsstellen bundesweit). 

Landesjugendorchester Sachsen und Universitätschor Leipzig im 13. Benefizkonzert der Kreuzkirche

Wie verwegen muss man eigentlich sein, im 21. Jahrhundert eine Messe komponieren und aufführen zu wollen?
Es ist ein spannendes, Grenzen sprengendes Cross-Over-Projekt, mit dem das Landesjugendorchester Sachsen und der Universitätschor Leipzig das 13. Benefizkonzert der Kreuzkirche gestalten werden. David Timm, Leipziger
Universitätsmusikdirektor, Organist, Pianist und Jazzmusiker läutet mit der von ihm zwischen 2001 und 2011 komponierten Jazzmesse sein 21. Jahrhundert ein. Die Vereinigung kompositorischer Elemente des Rock, Pop und
zeitgenössischen Jazz mit denen der Gregorianik und der klassischen Chor- und Orchesterliteratur scheint in seiner Komposition ganz selbstverständlich.

Es ist ein großes Projekt, mit dem Sachsens begabteste Nachwuchsmusiker im Orchesterbereich auf sich aufmerksam machen wollen. In dieser ersten Herbstferienwoche erarbeiten sie unter Anleitung von Dozenten renommierter sächsischer Orchester neben der Jazzmesse auch Bachbearbeitungen von David Timm für Orchester und Jazzband.

Nach Konzerten im Gewandhaus Leipzig (Mitschnitt durch den MDR) und dem Theater Görlitz wird dieses Mammutprojekt, das 160 Musiker – Ochester, Chor, Jazzband und Gesangssolisten – vereint, in der Kreuzkirche, für die
Kreuzkirche zu hören sein. Die Einnahmen kommen der weiteren Innensanierung der Kirche zugute.

Sonntag, 23.10.2011, 19.30 Uhr – Kreuzkirche

Karten im Vorverkauf an der Konzertkasse der Kreuzkirche sowie an der Abendkasse direkt in der Kirche
Konzertkasse: 0351- 496 58 07

22.10.2011Kolumnen