„Was für ein Saal!“

Rezensionen

„Was für ein Saal!“

Mit diesen Worten begrüßte der Geiger Harald Haugaard das Publikum am 8. Oktober im Saal des Orthschen Gutes in Quohren bei Kreischa bei Dresden. Erst vor wenigen Wochen war das Konzert „Zauber des Nordens“ mit Helene Blum & Harald Haugaard Quartett angekündigt worden, und obwohl schon im März ein Konzert mit „Nordischen Impressionen“ stattfand, war doch der ehemalige Stall, der mit seinen Säulen wie eine schlichte Kapelle wirkt, bis auf den allerletzten Platz gefüllt.

Foto: Manfred Adamski

Helene Blum gehört zu den bekanntesten dänischen Sängerinnen traditioneller Musik, worunter in Dänemark Musik des 17. bis 19. Jahrhunderts gehört, die in lebendiger Weise von heutigen Musikern aufgenommen und neu interpretiert wird. Eine solche Musizierform ist hierzulande kaum bekannt, um so mehr sprachen ausnahmslos alle Titel, die neuen aus altem Geiste, die alten in neuem Geiste, teils besinnlich, teils temperamentvoll, sehr gut an. Ein leiser Höhepunkt war der Walzer vom kleinen Mädchen, den die Sängerin solo, ohne jegliche Begleitung, innig und berührend vortrug.

Leider war zu wenig Platz zum Tanzen, denn auch andere Titel gingen kräftig in die Beine. Helene Blum standen virtuose Instrumentalisten an ihrer Seite: allen voran der spiritus rector Haugaard, der neben der Violine auch eine Oktav-Mandoline bediente. Mehrere Titel aus einem neuen Album ließen nicht nur hören, wie er sein Instrument beherrscht, sondern auch, wie er sich von dieser traditionellen dänischen Musik inspirieren lässt. Mikkel Grove Nielsen übernahm den durchgängigen Akustik-Gitarren-Part, und die vom März her schon bekannte Kirstine Pedersen spielte einfühlsam das Violoncello; die Sängerin selbst griff gelegentlich zur Violine oder zur Gitarre.

Obwohl die beiden Hauptakteure wie im Frühlingskonzert ihre Moderation ebenfalls in einer charmanter Mischung aus Deutsch, Dänisch und Englisch vortrugen, obwohl mancher Titel eine leichte Erinnerung an die Nordischen Impressionen wachrief, war es doch diesmal ganz anders. Es erklangen viele Lieder, gegen Ende natürlich ein Herbst- und ein Winterlied, und man gewann den Eindruck, dass diese unverbrauchte Musik noch viele Überraschungen bereithält.

Ein Wiedersehen mit der Gruppe gibt es am 14. Dezember in der Dreikönigskirche, wo sie gemeinsam mit Musikern aus anderen skandinavischen Ländern auftritt und Weihnachtsmusik aus ihrer Heimat erklingen wird.

20.10.2011Rezensionen