Arkadien hat eben keine Grenzen

Rezensionen

Arkadien hat eben keine Grenzen

In Dresden mit virtuos explodierenden Piècen zu beeindrucken, ist schon mal nicht ganz einfach. Viele Tastenlöwen sind hier schon abgezogen, ohne das insgesamt eher zurückhaltende Publikum aus der Reserve gelockt zu haben. Hierzulande hockt man im Turmzimmerchen, legt vielleicht dann und wann die kratzende Rheingold-Platte auf oder vergnügt sich still mit dem hauseigenen Streichquartett. 

Würden Sie diesem Mann ein gebrauchtes Klavier abkaufen? (Foto: Ali Schafler)

Wer es aber vermag, die Türmer mit den "Moments musicaux" aufzuschließen (und dann Schuberts Sonate Nr. 11 f-Moll so bruchlos anschließt, dass bis zur Pause kein Klatscher wagt, die Konzentration der atemlos Lauschenden zu stören) und dann Liszts oft genug nur brachial heruntergefetzte h-Moll-Sonate so tief grundiert, dass man auf einmal geneigt ist, sie für den notwendigen Keim für viel nachfolgendes zu halten (bis hin zun den abfallend sich schichtenden Clustern zu Beginn von Strauss‘ Alpensymphonie), dem liegen die Herzen am Ende zu Füßen.

Fünf sich stetig steigernde Zugaben brauchte es, bis die ersten Besucher aus den Sitzen sprangen und stehend weiterapplaudierten; eine sechste hob den Saal dann auf eine metaphysische Ebene. Und all dies mit einer unangestrengten Virtuosität dargeboten, als wär’s ein gemütlicher Spaziergang durch die pianistischen Zeitläufte… Einzig der Klavierstimmer und Konzertsponsor Gert Gäbler dürfte, so er zugegen war, zu diesem Zeitpunkt unrettbar schweißgebadet gewesen sein; der Tachometer des mittelgroßen Steinways auf der Bühne der Semperoper raste hörbar (merke: die klavierabendliche Verbrauchseinheit "Volodos" entspricht etwa zehn "Grimaud").

Mit großem Abstand  d a s  Konzert des Musikfestspieljahrgangs 2011 dürfte Arcadi Volodos‘ alle Hörgrenzen sprengendes Recital gewesen sein – bei aller Liebe zu dem, was schon war, und dem, was nun bis Sonntag noch kommt.

 

Dresdner Musikfestspiele, Empfehlungen für die nächsten Tage:

2. Juni, 20°° Cloud Gate & Rustavi Chor

3. Juni 20°° Berliner Philharmoniker, Mahler 6

4. Juni, 20°° Tokyo String Quartet

5. Juni 20°° Abschlusskonzert

www.musikfestspiele.com

02.06.2011Rezensionen