Musiktheaterlabor mit schwerhörigen Jugendlichen

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Musiktheaterlabor mit schwerhörigen Jugendlichen

Als erstes Projekt einer neuen Kooperation zwischen Semperoper Junge Szene und dem Sächsischen Cochlear Implant Centrum am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus findet vom 15. bis 17. April 2011 ein Musiktheaterlabor zu Kurt Weills Broadway-Oper »Street Scene« statt, die am 19. Juni an der Semperoper Premiere feiert. Zehn hörgeschädigte Jugendliche, die ein Cochlea-Implantat tragen, werden sich bei diesem Workshop intensiv mit der Musik und der Handlung von »Street Scene« beschäftigen.

Die Jugendlichen werden eine musikalische Stückcollage erarbeiten und zum Ende des Wochenendes aufführen. Die spezielle Wahrnehmung von akustischen Signalen dieser Jugendlichen bietet die Chance, mit ihnen einen anderen Umgang mit Sprache, Musik und Bewegung zu entwickeln. Die kreative und spielerische Auseinandersetzung steht im Vordergrund des Projektes, bei dem die Jugendlichen neue Ausdruckmöglichkeiten und eigene soziale, ästhetische und künstlerische Fähigkeiten entdecken können. Dadurch soll der selbstbewusste Umgang mit Sprache und Musik gefördert werden.

An diesem Wochenende lernen die Jugendlichen außerdem den Theaterbetrieb der Semperoper kennen. Bei einer Führung erhalten sie Einblicke in verschiedene Abteilungen, in die Arbeit auf den Probebühnen und im Ballettsaal, in den Orchestergraben, die Prozesse auf der Bühne und deren Technik sowie den Zuschauerraum. Zum Abschluss des Projektes steht der Besuch der Premiere von »Street Scene« in der Semperoper am 19. Juni 2011 auf dem Programm.

Für hochgradig hörgeschädigte oder ertaubte Patienten stehen mit Cochlea-Implantaten heute moderne Innenohrimplantate zur Verfügung, mit denen wieder ein Anschluss an die »Welt der Hörenden« gelingt und die kommunikativen Möglichkeiten entscheidend verbessert werden können. Hörgestörte Kinder und Jugendliche profitieren insbesondere von diesen modernen Implantaten, eröffnen sie ihnen doch neue Möglichkeiten der sprachlichen, sozialen und emotionalen Entwicklung, welche ohne diese technische Innovation nicht denkbar wären. Mit dem Sächsischen Cochlear Implant Centrum (SCIC) an der HNO-Klinik des Dresdner Uniklinikums steht den Patienten für diese Behandlung ein erfahrenes Expertenteam zur Verfügung. Professor Mürbe, Ärztlicher Leiter des SCIC, verweist dabei auf 100 Implantationen und die nachfolgende intensive Rehabilitation, welche den Patienten allein im vergangenen Jahr in Dresden angeboten werden konnte.

Mit einem interdisziplinären Konzept ist es das Ziel der Therapeuten am Uniklinikum, die Hör- und Sprachentwicklung für die zu betreuenden Patienten nach der Implantation optimal zu gestalten. Dennoch ist es zum guten Hören und zur freien Kommunikation oft ein steiniger und längerer Weg, müssen doch die neuen Höreindrücke erst verarbeitet und der Sprache zugeordnet werden. Erfolge bei anspruchsvollen Hörleistungen und Klangwahrnehmungen sind dabei oft mit besonderen Anstrengungen verbunden.

Mit einem gemeinsamen Projekt zwischen der Semperoper Junge Szene und dem Sächsischen Cochlear Implant Centrum sollen nun die Bemühungen um bestmögliche Sinneswahrnehmungen weiter unterstützt werden. Dies entspricht dem Anspruch der Semperoper Junge Szene, welche 2010 von der neuen Intendantin der Semperoper, Dr. Ulrike Hessler, ins Leben gerufen wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, jungen Menschen die Sprache der Musik, des Theaters, der Bilder und der Bewegung nahe zu bringen. Für hörgeschädigte Patienten ist dieses Angebot eine doppelte Herausforderung. Sie verknüpfen diese Erlebnisse mit den besonderen Erfahrungen ihres Hörens mit dem Implantat und eröffnen sich dadurch neue klangliche, aber durch die gemeinsame Arbeit auch neue soziale und emotionale Welten.

15.04.2011Allgemein