Strauss oder Weber? Die Premieren zur Semperoper-Wiederöffnung

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Strauss oder Weber? Die Premieren zur Semperoper-Wiederöffnung

Der »Rosenkavalier« – ein zentrales Werk der Dresdner Operngeschichte. So gehörte das Werk auch in den Reigen der Premieren zur Wiedereröffnung des aus Ruinen wiedererrichteten Hauses am Theaterplatz. Wolfgang Pieschel – damals leitender Dramaturg des Hauses – erzählt, warum die Oper dennoch nicht den Premierenreigen eröffnete:

„Dazu muss man wissen, dass der feierliche Akt am 13. Februar stattgefunden hat, ganz bewusst gewählt genau 40 Jahre nach Zerstörung Dresdens und der Semperoper. Eine ‚Musikalische Komödie‘ passte zu einem solchen Anlass nicht; mehr noch, es führte zur Wahl von Carl-Maria von Webers ‚Der Freischütz‘ als erste der Eröffnungspremieren." Allein schon, so Pieschel, weil diese Oper am 31. August 1944 als letzte Vorstellung gespielt wurde. "Tags darauf ist im Sinne des totalen Krieges bei einer Versammlung auf der Bühne „die Übergabe der Bühnenangehörigen … an die Kriegswirtschaft“ bekannt gegeben worden. Danach gab es nur noch vereinzelt Konzerte im Haus, bis dieses dann nach der Bombennacht in zweitagelangem Brand zu Schutt und Asche sank."

Eine "musikalische Komödie" sollte nicht ausgerechnet am 13. Februar 1985 erklingen (Probenfoto mit Regisseur Joachim Herz: E. Döring)

Und außerdem, fügt der Dramaturg an, die Oper Freischütz spiele unmittelbar nach einem Krieg; dem Dreißigjährigen, Weber oder sein Librettist haben das im Klavierauszug vermerkt. "Das war von Symbolkraft für das Wiederaufleben Dresdens nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges und mit einer der Beweggründe, den Freischütz als erste Inszenierung in der wiederentstandenen Oper zu geben."

Weber hatte für die Herausbildung einer nationalen Oper im Aufbruchsstadium einer Gesellschaft eine bedeutende Rolle gespielt, den Weg ins Hoftheater einem Publikum der aufstrebenden Klasse des Bürgertums geebnet. Wogegen Strauss nach dem Gesellschaftsbild der DDR als spätbürgerlicher Komponist im Endstadium einer Gesellschaft galt. So spielte auch Ideologie mit bei der Premierenwahl. Und schließlich ist Carl-Maria von Webers romantische Oper ‚Der Freischütz‘ von allen Werken des Musiktheaters das in Dresden meistaufgeführte.

Verzichten aber konnte und wollte man auf einen Rosenkavalier nicht. So bekam er die zweite Premiere der Eröffnungswoche 1985. Wie übrigens auch schon 1948, als im wiederaufbauten Schauspielhaus der »Rosenkavalier« nach »Fidelio« auf die Bühne kam. Der Reigen der Premieren in der Eröffnungswoche schloss sich mit Siegfried Matthus »Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke« und in der Sparte Ballett Udo Zimmermann »Brennender Friede«, die das in Dresden tradierte Element der Uraufführungen in die Eröffnungswoche brachten.

01.03.2011Interviews