Marion Amman rettet die Wiederaufnahme der Oper „Arabella“

Rezensionen

Marion Amman rettet die Wiederaufnahme der Oper „Arabella“

Eigentlich kriminell, was der Graf Waldner seinen Töchtern Zdenka und Arabella zumutet. Weil der Alte das Vermögen verludert hat, reicht´s nicht mehr, die Töchter ordentlich unter die Hauben zu bringen. Also wird die jüngere Zdenka als Junge gehalten und Arabella bietet der alte Kumpan wie frische Ware einem Regimentskollegen an. Hintersinnig schickt er dem dem alten Jugendfreund ein Bild der jungen Frau. Es kommt anders, ganz anders. Der Alte ist längst tot. Der Neffe sieht das Bild. Er findet es bezaubernd schön – und eine der schönsten Liebesgeschichten samt Verwechslungen, Verletzungen und Versprechen nimmt ihren genüsslichen musikalischen Lauf…

Bestenfalls zeitlos: die Inszenierung Hans Hollmanns (Foto: Matthias Creutziger)

1933 in der Semperoper uraufgeführt, bleibt „Arabella“ ersten Häusern vorbehalten: gleich wie spannend eine Inszenierung sein mag, der Klang muss stimmen. Das gilt für Orchester und Solisten. Zur Wiederaufnahme der Dresdner Produktion von 1992 in der bestenfalls zeitlosen Inszenierung von Hans Hollmann kommt das große Glück vom linken Bühnenrand. Hier steht die Schweizer Sopranistin Marion Amman. Sie singt die Titelpartie am Notenpult und die Dresdner Schauspielerin Angela Schlabinger agiert konzentriert auf der Szene in angemessener Zurückhaltung. Marion Amman ist für zwei nacheinander erkrankte Kolleginnen so plötzlich eingesprungen, dass an szenische Proben nicht mehr zu denken war. Dass diese Oper den Namen der Protagonistin trägt, daran lässt ihr Gesang keinen Zweifel. Sie bietet Strauss-Klänge vom Feinsten. Ist immer ein wenig vom Mozart dabei. Da ist die Innigkeit der Lieder und auch dramatische Kraft, die sich nicht durch Lautstärke definieren muss.

Bo Skovhus, der noble Bariton von eleganter Erscheinung, ist ihr Partner Mandryka. Auch ihm sind dem die feinen Töne eigen, liegt es angemessen zu spielen, Übertreibungen sind ihm fremd. Carolina Ullrich singt mit jugendlichem Elan die hoch gesetzte Hosenrolle der Zdenka. Im Überschwang ihres Spiels und dem damit korrespondierenden Gesang kommt es hin und wieder zu Überzeichnungen und Schärfen. Michael Eder gibt in musikalischer und gestalterisch eine treffende Typisierung des spielsüchtigen Grafen. Unterschiedlich in der Präsenz, auch was die Klänge angeht, das weitere große Ensemble.

Frank Beermann gibt am Pult der Staatskapelle sein Debüt. Es ist, als nähme er uns mit auf seinem Weg, der immer stärker hinein führt in diesen besonderen Klang, als erspüre er auch immer intensiver wie genau die Damen und Herren der Kapelle reagieren. So gelingt es immer überzeugender Balancen zu halten zwischen unterschiedlich starken Sängerpräsenzen und der mitunter nötigen Klangdichte des Orchesters. Am Ende überzeugt doch der musikalische Ausgleich zwischen parlierenden und leider auch plappernden Passagen des Werkes und den großen Gesten der Emotionen und des so schönen wie trügerischen Scheins.

Nächste Aufführungen: 02., 05., 08., 11. März

Eine Textfassung des Artikels ist am 26. Februar in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

01.03.2011Rezensionen