Konzerte ohne Bild

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Konzerte ohne Bild

Ein Blick in den täglichen Veranstaltungskalender genügt: Dresden kann sich über ein mangelndes Kulturangebot nicht beklagen. Wer gegen Ende vorigen Jahres trotzdem etwas vermisst hat, zählte wahrscheinlich zum Stammpublikum der Galeriekonzerte, die nun nach mehr als 350 Veranstaltungen in über 50 Jahren ausgeklungen sind. Ein Ende ohne Abschied. Denn noch die letzten der schon geplanten Konzerte sind aus Etatgründen abgesagt worden.

Ausgerechnet in einer Stadt wie Dresden wurde damit eine Säule für traditionsbewusste Konzertgänger gekappt. Das treue Publikum wird kaum so rasch direkten Ersatz finden. Die langjährigen Ausrichter der Reihe sehen die Ursachen dafür recht unterschiedlich. Einig sind sich DeutschlandRadio Kultur und Staatliche Kunstsammlungen einzig im beiderseitig „energischen Bemühen“ um eine Fortsetzung. Nun aber, so Bernhard Maaz, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister, seien alle Gespräche „abgeschlossen“. In einem „langen und konstruktiven Telefonat“ mit Wolfgang Hagen, dem Hauptabteilungsleiter Kultur und Musik beim DeutschlandRadio, sei das Thema „ohne jede Polemik“ besprochen worden. Maaz, der sich gern daran erinnert, als Schüler in seiner thüringischen Heimat vorm Radioapparat bei diesen Konzertsendungen aufgehorcht zu haben, verweist mit Stolz darauf, dass die Galeriekonzerte neben den Nachrichten das älteste Sendeformat in Deutschland seien. Folglich bedauere die Geschäftsführung der Staatlichen Kunstsammlungen das Ende dieser Reihe sehr, zumal man auch um die Liebhaber von Konzerten und Ausstrahlungen wisse.

Bedauernde Töne auch in Berlin. Allerdings nicht von Wolfgang Hagen, der jede Anfrage unerwidert ließ, sondern von Redakteuren, die namentlich nicht genannt sein wollten. Einer werde „den Eindruck nicht los, dass sich die Staatlichen Kunstsammlungen aus der Verantwortung stehlen“ und diese Reihe „nicht fortsetzen wollen“. Ein anderer richtete den Blick des Machers nach vorn: „Wir müssen nicht in Dresden präsent sein.“ Galerien gebe es schließlich überall. Ausführende Redakteure und Techniker müssten sich zwar ohnehin den Entscheidungen der jeweiligen Chefetagen fügen, doch „nach den Erfahrungen mit Dresden“ könne man es durchaus für einen Gewinn halten, mit künftigen Galeriekonzerten „über Sachsen hinauszugehen“.

Erfahrungen mit Dresden? Nun, da habe es nach der Umnutzung des Gobelinsaals durchaus Unstimmigkeiten gegeben, wer etwa für so praktische Sachen wie die Bestuhlung von Ausweichquartieren aufkomme – „fünf Euro Stuhlmiete pro Platz und Konzert“ seien für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schlicht „nicht vertretbar“.
Wo liegt nun der Schwarze Peter? Bernhard Maaz versichert glaubhaft, was ihm die Vernetzung unterschiedlicher Kunstgattungen bedeute. „Bildende Kunst im Radio und erst recht im Fernsehen zu vermitteln, ist ungemein wichtig.“ Neue Vorschläge für eine wie auch immer geartete Fortsetzung zu machen, sei allerdings „nicht unser Auftrag“.
Bloß gut, dass die Stadt Dresden einen so prall gefüllten Veranstaltungskalender hat. Vorschlag zur Güte: Wer die Zeit und das Geld dazu hat, sollte tagsüber Museen besuchen und abends entweder die verbleibenden Konzerte der Landeshauptstadt füllen oder eben den Übertragungen von DeutschlandRadio Kultur lauschen. Gegebenenfalls auch aus anderen Galerien. 

Eine Textfassung des Artikels ist am 22. Januar 2011 in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

23.01.2011Allgemein