Alles Lena, oder was?

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Alles Lena, oder was?

Diesen Namen bitte merken: Lena Sundermeyer, nicht zu verwechseln mit kurzlebigen TV-Talenten aus Casting-Shows. Lena Sundermeyer, also nicht etwa Meyer-Doppelname, wie wohlmeinende Witzbolde schon mal bemerken, nachdem ein Eurovisionswunder stattgehabt hat.

Nein, hier ist von einer sehr ernsthaften und ambitionierten jungen Frau die Rede, die für sich beschlossen hat, Sängerin zu werden. Inzwischen ist sie es – und mehr als das: Lena Sundermeyer ist Sängerin, Songschreiberin und Autorin. Eben erst absolvierte sie mit Bravour das Examenskonzert an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, wo sie im Bereich Jazz/Rock/Pop studiert hat. Doch schon längst ist ihr Name aus diversen Projekten bekannt. Die aus Bremerhaven stammende Sängerin, inzwischen in Dresden zu Hause, hat eine eigene Band gegründet, die Lena Sundermeyer Band (merken, den Namen!), singt im Duo Goetheallee (auf deutsch, nomen est omen) und ist jüngstes Mitglied des in Berlin ansässigen A-capalla-Frauen-Quartetts namens Niniwe. Vollständig ist die Aufzählung erst mit dem Wortart Ensemble, ebenfalls a capella, in dem die Sopranistin mit zwei Damen und zwei Herren deutschsprachige Lyrik besingt. Poesie für Auge und Ohr!

 

Diesen Namen bitte merken: Lena Sundermeyer (Foto: Michael Neugebauer)

Die Verse stammen von Eva Strittmatter und Mascha Kaléko, was ähnlich mutig sein dürfte wie im genannten Duo mit dem Komponisten Jochen Aldinger am Klavier zu Goethe-Texten zu singen. Vor allem aber ist Lena Sundermeyer, die mit fünf Jahren Klavierspielen lernte, selbst Singer-Songwriterin und stattet die Musik ihrer Band mit eigenen Arrangements aus. Mit Vorliebe textet sie englisch und komponiert in einem nur scheinbar dem kanadischen Vorbild Holly Cole entlehnten Stil, der weniger dem freien Jazz als einem anspruchsvoll eigenständigen Pop verhaftet scheint. Gut möglich, dass hier ihre sehr prägnante, mit himmlisch hellen Tönen in der Höhe ausgestattete Stimme besonders gut zum Tragen kommt.

Ein solches Talent muss natürlich gefördert werden. Das dachten sich wohl auch Leute mit guten und offenen Ohren in ihrer Heimatstadt, die Lena Sundermeyer 2010 den Kulturförderpreis Bremerhaven verliehen. Preiswürdig auch das Engagement mit Niniwe, das im vorigen Herbst auf einer ausgedehnten Asien-Tour in Korea mit dem Ersten Preis des „Seoul International A Capella Competition“ bedacht worden ist. Vom breitgefächerten Repertoire dieses Quartetts vermittelt passend zum Frühling die Ende März erscheinende CD „The Beautiful Long Ago“ liedhaft lenzige Eindrücke.
Auch für die eigene Band, bei der sie nicht nur die Musik, sondern auch die komplette Organisation selbst verantwortet, sollte über eine CD nachgedacht werden. Aber Lena ist sich mit ihren Mitstreitern einig, dass Perfektion über Tempo gehen sollte. Also lässt sie sich Zeit und hofft, in zwei, drei Jahren vielleicht von Konzerten leben zu können. Bis dahin müssen Auftritte mit pädagogischer Arbeit unter einen Hut gebracht werden. Halbe Sachen mag sie nicht, sondern gibt sich überzeugt, dass sich für alles eine Lösung finden lässt.

Bei der Suche nach einem passenden Label wird ihr aber bewusst, das derart Praxisbezug im Studium etwas zu kurz kam. Wer nicht vom Flachbildschirm her bekannt ist, muss sich sein Publikum hart erarbeiten, sollte es locken, darf es auch mal verwöhnen – und kann es dann mit auf die musikalische Reise nehmen. Lena Sundermeyer hat Fahrt aufgenommen, ist offen geblieben für Umwege und Experimente – ihr Ziel einer wunderbaren Sängerlaufbahn hat sie aber fest im Blick.


Tipp: Die Lena Sundermeyer Band tritt am 29. März im Blue Note auf.

 

Eine Textfassung des Artikels ist am 22. Januar 2011 in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

23.01.2011Features