„So ein Tag, so wunderschön wie heute“

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„So ein Tag, so wunderschön wie heute“

Nachts gegen zwei Uhr sind von tausenden Schaulustigen auf dem Theaterplatz noch fünfzig übrig. Sie stehen verfroren an der Absperrung zum roten Teppich und bitten die Ballgäste flehentlich um die Rose, die jeder Gast überreicht bekommt… Da hat der Semperopernball drinnen erst richtig angefangen.

Das ist sie, die Schranke, die die Kasten trennt: wer über den roten Teppich kam, war drin; die anderen bekamen Luftballons (Fotos: Kongressbild.de)

Ministerpräsident Stanislaw Tillich war "so froh, dass hier die Menschen draußen und drinnen gemeinsam feiern." Nach „Oh mein Papa“ aus dem Musical "Feuerwerk", das für den MDR und das Publikum draußen schön anzusehen war, durfte man den Laudatoren lauschen. Und den Danksagungen. Deren Niveau allerdings schwankte stark: Til Schweigers Danksagung glich eher einem pubertären Jugendweihe-Wortschwall. Wie sein Laudator treffend prognostizierte, lässt er nach wie vor "Kritiker, die nach geistiger Vollbeschäftigung suchen, lachend ins Leere laufen." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ein Gefühl für wichtige Themen vermittelten dagegen UNICEF-Botschafter Sir Christopher Lee und der ebenfalls geehrte Bob Geldof, beide baten nachdrücklich um Spenden für Menschen in Armut. Draußen war Stunden vorher dasselbe geschehen: Ein Video warb für UNICEF, eine Tombola lockte mit Preisen, zum Beispiel einer "qualitativ hochwertigen Strickmütze“. So Roman Knoblauch, der durchs Außenprogramm führte, das Publikum zum Klatschen und Winken animierte und deren Gehorsam mit Sätzen wie "Sie machen auch jeden Blödsinn mit, oder?" kommentierte. Nach einer Probe des Kanons "Dresden lächelt" beginnt die richtige Stimmungsmache: Gotthilf Fischer singt mit dem Außenpublikum "Hoch auf dem gelben Wagen" zum Playback, sagt zwischen den Zeilen den Text vor und andere Dinge wie "Sie sehen schon 10 Jahre jünger aus!"

Auch Oberbürgermeisterin Helma Orosz durfte einen Satz in die Kameras sagen (Foto: Maria Funk)

Hans-Joachim Frey und die Oberbürgermeisterin Helma Orosz stehen für Fotos bereit, während "So ein Tag, so wunderschön wie heute" aus den Boxen schallt. Der Semperopenairball als Musikantenstadl? Glücklicherweise war der groß angekündigte Weltstar dann doch nicht Florian Silbereisen, sondern Armin Müller-Stahl.

Es folgte der Eröffnungstanz der Debütanten und des Ministerpräsidenten, womit der Lax´ere Teil des Abends begann: Nach ihrem großen Auftritt konnte das Außenpublikum sie schon gröhlen hören. "Das muss man einfach einmal mitgemacht haben," meinte Christoph, der später seine Partnerin auf der Tanzfläche herumwirbelte. Das erste Mal war es für ein Paar aus Niesky bei Görlitz, die beeindruckt waren vom Flair des Balls. Man sei zwar gesellschaftlich noch nicht "so weit oben" wie Til Schweiger, fühle sich aber schon irgendwie besonders. Der Rest kann ja noch kommen. "Auf Til Schweiger hätte ich verzichten können", so eine semperopernballerfahrene Dresdnerin. "Das Programm hatte was von "Ein Kessel Buntes". Ich hätte mir mehr Kultur, mehr Oper gewünscht. Und so viele Orden waren unnötig." 

Stetes Lächeln war erbeten. Ein einziger hielt sich nicht dran – und bewies als einziger Gast wahre Grandezza.

In Wien sei es doch schöner, war eine hergezogene Wienerin überzeugt; auch sie fand die Orden überflüssig, konnte aber verstehen, dass sie in Dresden als Zuckerbrot für Prominenz noch unabdingbar seien. "Dilettantisch" fiel ihr als einziges Wort zum Außenprogramm ein. "Wie müssen die sich denn draußen fühlen, dass sie so ein bisschen mittanzen dürfen?" In Wien sei das klar getrennt und das sei gut so. Nichtsdestoweniger lobte sie den diesjährigen Ball als den besten bis dato; es sei eine Steigerung zu erkennen nicht nur in Outfit und Erscheinung der Gäste, sondern auch in Programm, Dekoration und Prominenz.

So unterschiedlich die Meinungen im Detail auseinander gingen, war ein gemeinsamer Nenner doch klar zu erkennen: Das insgesamt klar positive Feedback der Gäste und die Tatsache, dass keiner ohne Vitamin B eine Chance auf Ballkarten hatte: "Man ist schon ein bisschen so ein eigener Kreis…"

"Man ist so ein bisschen ein eigener Kreis…"

Die Party nach dem Programmabschluss (Ina Müller und Band) wurde dann noch sehr amüsant. Da wurden schon mal die hochhackigen Schuhe ausgezogen und der billigere Wein bestellt. Wer in dem Gedränge aus Versehen einer Debütantin gegenüber stand, hatte schon verloren: gegen ein Kleid in solchem Umfang und Farbton ist schwer anzukommen. Ohnehin kam die richtige Partystimmung eher bei der Generation 37+ auf.

Wer also das Geld hatte oder die Beziehungen, hat sich gestern Nacht prächtig amüsieren können. Drinnen.

15.01.2011Allgemein