Singeverbot für Caruso

Rezensionen

Singeverbot für Caruso

Fünfjährige sind anspruchsvolle Zuhörer, und kritische Theatergänger sowieso. "Was machen denn die Männer auf der Bühne, die haben doch gar nicht mitgespielt?" Tja. Da muss man erklären: der eine, Matthias Eberlein, hat die Häuserwände gebaut für "Petterson und Findus und der Hahn im Korb". Und der andere, Stefan Brosig, hat den Hühnern gesagt, wie sie richtig verliebt gucken müssen. Und dem Kater Findus, der von Judith Hoffmann gespielt wird, weil richtige Katzen sich nun mal sehr schwer tun, in Radebeul vor so viel jungem Publikum aufzutreten, hat er erzählt, wie man galant den Schwanz schwenkt. Dem alten Petterson (Dietmar Fiedler) musste er gar nicht mehr viel sagen, der ist schon über dreißig Jahre hier an den Landesbühnen angestellt und kennt das Geschäft bestens.

Foto: Martin Krok

Die drei Musiker am Bühnenrand, die Klavier, Klarinetten und Cello gespielt haben? Waren ein bisschen laut, ja. Du hast die Worte auch nicht verstanden? Hm, ja, das ist manchmal schwierig, wenn die Sänger so opernmäßig singen. Aber die Geschichte war ja klar: der schicke Hahn Caruso – den spielt übrigens ein Schwede, Michael Axelsson, ganz toll, oder? – flüchtet sich vorm Suppentopf auf Pettersons Hof. Und könnte dort auch bleiben, wenn er nicht immer so laut krähen würde! Da beweist Findus wieder mal, dass er ein ganz gewitzter Kater ist. Und am Ende geht auch alles gut aus – obwohl die Moral der Geschichte bei den jungen Zuhörern komplett unter den Frühstückstisch fällt, lieber ergötzen wir uns alle zusammen an der vollblütigen, naturalistischen, humorvoll ausgestatteten Bühne. Kein arrogantes Regietheater weit und breit kann es mit diesem erfrischenden Kammeropernerlebnis aufnehmen, für das der Berliner Niclas Ramdohr die eingängige Musik geschrieben hat. Dass sich Erwachsene und Kinder gleichermaßen amüsieren über das, was da vorn auf der Bühne passiert, dass sie mitleiden, mitlachen – kann es, soviel Pathos sei erlaubt, in der Welt der Kunst eigentlich schöneres geben?

Die meisten der 25 Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Am besten stehen die Kartenchancen für die Zusatztermine: Sa, 4.12., 17 Uhr; 6.12., 12 Uhr; Mo, 20.12., 12 Uhr, und 22.1.2011, 15 Uhr. Kasse: Tel. 0351 8954-214

Eine Textfassung des Artikels ist am 18. November in der Sächsischen Zeitung erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

24.11.2010Rezensionen