Philharmonie spielt unter dem Kulturradar hindurch

Rezensionen

Philharmonie spielt unter dem Kulturradar hindurch

Schwer genug war es am Wochenende, sich zwischen weißem Wal (VW-Manufaktur) und Weißem Hirsch (Schauspielhaus) zu entscheiden; beide Uraufführungen verhießen spannendes. Die restlichen anwesenden Kunstliebhaber besuchten die Frauenkirchen-Festtage, so dass eine weitere Dresdner Erstaufführung im Kulturpalast zwar in Anwesenheit des Komponisten, aber sonst vor sträflich leerem Saal stattfand. André Previns viersätziges Werk "Diversions" bestach durch seinen rasanten Ablauf, manche akrobatische Extravaganz, aber vor allem durch charakteristische Soli. Die Dresdner Philharmoniker arbeiteten das für ihre Wiener Kollegen in Auftrag gegebene Werk hellwach und zehntelsekundengenau wie eine gut eingestellte Maschine durch. An manchen Stellen hätte es vielleicht statt Schmieröl etwas mehr Schmelz sein dürfen; die drögen Brahms-Fanfaren der letzten Konzerte schlug dieses Werk trotzdem spielend um Längen, und wurde herzlich aufgenommen.

Grafik: www.daniel-mueller-schott.com

Das zweite Werk des Abends blieb eher nüchtern. Wer von Elgars Cellokonzert e-Moll etwa die wahnwitzige, hoch emotionale Aufnahme mit Jaqueline du Pré und dem Philadelphia Orchestra unter Daniel Barenboim im Ohr hat, wird von Daniel Müller-Schotts Lesart vielleicht enttäuscht gewesen sein. Elgars pathetisch ausufernde Gesangselegien funktionieren nur, wenn Solist und Orchester sich kompromisslos in den Rausch der Töne ergeben, sich gemeinsam in schaurig-schöne Welten tragen lassen. Für diesen gefahrvollen Ausflug schien allein der sitzend dirigierende Previn an diesem Abend zu schwach. Nicht selten stürmte Daniel Müller-Schott mit antreibendem Kopfnicken voran; das Orchester folgte ihm dann oft einen Tick zu spät.

Rachmaninows selten gespielte und hochinteressante Dritte Sinfonie ging dann noch um so flüssiger über die Bühne. Wirklich schade, dass das so wenige schätzen mochten.

Eine Textfassung des Artikels ist am 27. September in der Sächsischen Zeitung erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

 

30.09.2010Rezensionen