Live-Luxus – MSB in der Tante Ju

Rezensionen

Live-Luxus – MSB in der Tante Ju

Die Formation ist älter als mancher im Saal. Seit 42 Jahren tourt sie. Ihre Auftritte sind selten. Am Samstag spielte die Berliner Modern Soul Band in der Tante Ju in Dresden. Zum ersten Mal. Ein Foto von dem seltenen Ereignis gibt es trotzdem nicht.

Oft waren sie nicht in Dresden. Zuletzt spielten die Musiker hier vor zwei Jahren. An weiter zurückliegende Konzerte in Sachsens Landeshauptstadt können sich selbst die ältesten Bandmitglieder nicht erinnern. Lange her und viel passiert. Kann eine 1968 gegründete Band noch berühren? Die 250 Leute, die sich am Samstagabend davon überzeugen wollten, werden mehrheitlich bestätigen: sie kann. Trotzdem behielt das Konzert fast einen Insider-Status. Nicht ein Fotograf war zugegen. Schade und zu Unrecht.

Das Repertoire der Modern Soul Band, die getrost als Musiker-Kaderschmiede bezeichnet werden kann, scheint grenzenlos. Die acht Musiker eröffnen mit englischsprachigen Liedern, eigenen Songs. Bei den ersten Bläsertakten tanzt das Publikum. Und hört den ganzen Abend nicht auf. Auch nicht, als beim vierten Lied „Viel zu lange“ der Bass übersteuert und die Techniker eine kurze Reparaturpause einschieben müssen. Ein Vorkommnis, das es laut Sänger Dirk Lorenz übrigens in 42 Jahren Bandgeschichte noch nie gegeben habe. Der Stimmung im Saal tut das keinen Abbruch. Live is life. Nach zwei Minuten geht es auch schon weiter. „Soultime“. Das ist Programm und das bleibt Programm. Soul ohne Bläser? Für MSB unmöglich. Dagobert Darsow an der Posaune, Ferry Grott an der Trompete und Mercedes Wendler am Saxophon hauchen den Songs eine gehörige Portion Leben und Rhythmus ein. Überhaupt scheint das Oktett gut aufeinander eingespielt. Bei MSB gibt es keinen Star. Ob Sänger Dirk Lorenz, E-Gitarrist Jens Jensen, Bassist Carsten Mutschall, Schlagzeuger Roger Heinrich und nicht zuletzt Bandgründer und MSB-Urgestein Gerhard Laartz an den Keyboards – alle dürfen mehrmals als Solisten ins Rampenlicht treten. Selbst aus Klassikern zaubern sie Überraschungen. Ferry Grott trompetet „Casablanca“ und rapt den Refrain in französisch. „Wir machen Party“ ist dann nur folgerichtig. Und das machen sie tatsächlich. Wandeln zwischen Soul-Standards und packen eine Vielzahl eigener Lieder in ein Medley. Mit „Stevie Wonders „Superstition“ erfüllt sich Frontmann Dirk Lorenz einen eigenen Musikwunsch. Nach der Pause wird es noch souliger. James Browns „I feel good“ darf nicht fehlen, aber auch die aktuelle MSB-Single „Niemals will ich dich verlieren“. Ob „Sexmaschine“ gegrölt oder gesungen besser klingt, muss subjektiv entschieden werden. Vielleicht der einzige Hit des Abends, an dem die Bläser mit Dirk Lorenz um die Wette zu rennen scheinen. Ein Soulklassiker-Medley spannt den Bogen bis Mitternacht. Das Publikum entlässt die Band erst nach zwei Zugaben. Im Foyer seufzt eine (übrigens männliche) Stimme kurz darauf: „Ihr hättet noch zwei Stunden weiterspielen können.“

Hätten Sie. Doch Live-Konzerte der Modern Soul Band werden Seltenheitswert behalten. Allein deshalb, weil Bläsergruppen und Großbesetzungen für viele Veranstalter Luxus sind. Dass die Tante Ju den Dresdnern diesen Luxus gönnt, ist bemerkenswert.

www.modern-soul-band.de
 

12.09.2010Rezensionen