Zwischen Angst und Normalität – »OUTER COLD« in der kleinen szene

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Zwischen Angst und Normalität – »OUTER COLD« in der kleinen szene

Draußen regnet es und auf der Bühne steht, unter blauem Himmel und Sonnenschein, eine Stadt in Flammen. Eine Tänzerin spielt mit einem Ball. Der Ball zwischen ihren Füßen ist ein Kopf. Ein Berichterstatter beschreibt eine brennende Stadt. Sein Text wird in eine erfundene Gebärdensprache übersetzt. Weder der Berichtende, noch die Übersetzerin, noch der Zuschauer sprechen über Dasselbe. Die verschiedenen Aussagen stimmen nicht überein, ihr Sinn wird entkoppelt und die Bewegungen der Körperteile verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung. Harmlose Spiele erreichen ihre Grenzen und mischen die gesamte Situation immer wieder auf‘s Neue.

Foto: PR

»OUTER COLD« setzt sich multimedial mit dem Thema Gewalt auseinander: Tanz, Sound, Video und Sprache /Text. Das Team, bestehend aus einer Choreografin, vier Tänzerinnen, einem Videokünstler und einem Musiker, kreiert an Hand von eigenen Erfahrungen und Berichten von Carolin Emcke, Jean Amery u.a. Situationen aus denen sich Körperbilder, Bewegungsimpulse und –qualitäten entwickeln. 

Die Körpersprache bewegt sich an der Grenze zwischen Passivität und Aktivität, lässt die eingefleischten Täter-/ Opferklischees verschwimmen und untersucht die Frage, von wo aus Bewegung und deren Aussagen gesteuert werden. Die Gewalt- und Todesthematik der gezeigten Videos eröffnet einen zweifachen Blick. Das Bild des Todes – obwohl es Bestandteil und Potenz menschlicher Erfahrung ist – ist heutzutage kein existenzielles mehr, sondern stellt vor allem eine mediale Perspektive dar. Der Tod und die Gewalt sind schon lange aus dem Zentrum in die Peripherie verbannt worden. Wenn sie aber, vervielfältigt, immer wieder abgebildet werden, so ist diese Überflutung eher medialer und ästhetischer Natur. Die Wiederholbarkeit des Todes spült seine reale Bedeutung aus ihm heraus.

 
„OUTER COLD“

Ein Video-Tanz-Projekt von Irene Schröder und Héctor Solari

Choreografie:  Irene Schröder in Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen
Tänzerinnen:  Marie-Laure Fiaux, Andrea Schiefer, Irene Schröder und Miriam Welk
Sound:  Tobias Herzz Hallbauer

Video, Bühne:  Héctor Solari

Aufführungsort:  semper kleine szene, Bautzner Straße 107, Dresden
Vorstellungen:  21. und 22.11.2009 jeweils um 20 Uhr

Karten sind zum Preis von 9 €  (ermäßigt 7 €) an den Tageskassen der Semperoper in der Schinkelwache oder an der Abendkasse in der semper kleinen szene erhältlich.

10.11.2009Allgemein