Konzertmeister der Philharmonie: „Zwischen utopischen und realistischen Wünschen unterscheiden“

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Konzertmeister der Philharmonie: „Zwischen utopischen und realistischen Wünschen unterscheiden“

"Ein neues Konzerthaus ist eine fantastische Vision", sagte Helma Orosz in ihrem Grußwort zum Kulturpalastjubiläum. Finanziell sei es aber von der Stadt neben den bestehenden kulturellen Engagements nicht zu schultern. Schützenhilfe erhält die OB dabei auch von den drei Konzertmeistern der Philharmonie, die sich letzte Woche in einem Brief an die Öffentlichkeit gewandt haben. »Musik in Dresden« druckt ihn im folgenden ab.

"Die Chance für einen neuen Konzertsaal ist für Dresden jetzt zum Greifen nah…" (Foto: F. Höhler)

 Wir, die Dresdner Philharmoniker, unterstützen mit all unserer Energie die Umbaupläne des Kulturpalastes der Landeshauptstadt Dresden, auch wenn durch die Dresdner Presse ständig suggeriert wird, dass jeder kunstinteressierte Bürger ausschließlich für ein neues Konzerthaus stimmen würde.
 
Aus der Erfahrung der letzten 20 Jahre können wir sehr wohl zwischen utopischen und realistischen Wünschen unterscheiden. Das Land Sachsen muss zahlreiche Projekte im gesamten Freistaat finanzieren und hat sich klar gegen eine finanzielle Beteiligung an einem Konzerthausneubau geäußert.
 
Die Stadt Dresden hat ihrerseits viele zu finanzierende kulturpolitische Baustellen: die drohende Schließung eines unsanierten Kulturpalastes, die Operette, das Theater der Jungen Generation, die Herkuleskeule u.a. Die Stadt hat für die Lösung dieser Probleme bereits weitreichende und durchgerechnete Pläne. Einer davon ist der Umbau des Kulturpalastes mit seiner Nutzungserweiterung.
 
Ein Aspekt wurde in der Diskussion, ob ein Konzerthausneubau für die Stadt überhaupt sinnvoll wäre bisher wenig beleuchtet: Der Kulturpalast ist bei weitem nicht ausgelastet. Im jetzigen Zustand werden viele tausend Quadratmeter Nutzfläche nur sporadisch bewirtschaftet. Ein schon jetzt unbefriedigender Zustand, der sich mit Auszug der Philharmonie noch dramatisch verschlechtern würde! Toter Raum, der die Stadt sehr belastet, wenn dies alles (ohne Fördergelder!) saniert, erhalten und gepflegt sein will. Die Vorstellung, die entstandenen Spielräume mit weiteren Veranstaltungen füllen zu können, kann getrost in das Reich der Träume geschickt werden, erwüchse ja doch für einen großen Prozentsatz der Unterhaltungskonzerte ein konkurrierender Veranstaltungsraum mit dem neuen Konzerthaus. Dresden ist keine Millionenmetropole. Wer sollte die vielen tausend Sitzplätze jeden Abend füllen?
 
Der hervorragende Siegerentwurf für den Umbau des Kulturpalastes beweist, dass der vorhandene Platz viel sinnvoller genutzt werden kann. Geplant ist ein hochwertiger Konzertsaal mit gut dimensionierten Künstlergarderoben, Einspielzimmern, Proberäumen und Hinterbühnenbereich mit Gastronomie. Äußerst sinnvoll ist es, der Zentralbibliothek einen würdigen Platz im Herzen unserer Stadt zu schaffen. Sogar die Herkuleskeule kann als eigenständige Bühne Raum in diesem Gebäude finden. In dieser kulturellen Vielfalt entspricht der Umbau auch dem Ursprungsgedanken des Kulturpalastes und macht ihn damit ganztägig zu einem „Offenen Haus“ für alle Dresdner und Gäste.
 
Ein Scheitern der Umbaupläne würde bedeuten, dass die Kulturstadt Dresden auch zukünftig keinen angemessenen Konzertsaal hätte und auswärtige Spitzenorchester weiterhin einen Bogen um unsere Stadt machen würden. Wir sind überzeugt, dass durch die bereits ausgewählten erstklassigen Architekten und Akustiker ein 1a-Konzertsaal im Kulturpalast entstehen kann, der eine gleichwertige Qualität besitzen wird, wie ein Konzerthausneubau auf der „grünen Wiese“.
 
Die Chance für einen neuen Konzertsaal ist für Dresden jetzt zum Greifen nah. Wir möchten nicht, dass sie ungenutzt verstreicht!
 
Die Konzertmeister der Dresdner Philharmonie Heike Janicke, Ralf-Carsten Brömsel und Wolfgang Hentrich.

12.10.2009Allgemein