Neues Positionspapier des Fördervereins der Philharmonie zum Kulturpalast-Umbau

Allgemein

Neues Positionspapier des Fördervereins der Philharmonie zum Kulturpalast-Umbau

Der Förderverein der Dresdner Philharmonie begleitet den Umbau des Kulturpalastes seit seiner Gründung am 23. August 1994. In jenem Jahr hatte der Stadtrat den Beschluss zum Bau eines Konzertsaals für die Dresdner Philharmonie gefasst. Da die Umsetzung dieses Beschlusses jedoch ins Stocken geriet, gründete sich im März 2002 aus den Reihen des Orchesters eine „Initiative Neuer Konzertsaal“, die im Sinne einer Bündelung aller Kräfte organisatorischer Bestandteil des Fördervereins wurde. Die Initiative löste in der Bevölkerung Hoffnung und damit verbunden eine große Spendenbereitschaft aus. Chefdirigent Marek Janowski stellte sich an die Spitze der Bewegung und machte die Umsetzung des Stadtratsbeschlusses zur Bedingung für sein Verbleiben in Dresden. Jedoch leider vergebens. Janowski verließ Dresden bitter enttäuscht.

Nachdem der Stadtratsbeschluss von 1994 zwischenzeitlich gekippt worden war, wurde 2006 deutlich, dass das Thema Konzertsaal zum damaligen Zeitpunkt in den städtischen Gremien keine Chance hatte, Gehör zu finden. Das war für den Förderverein Anlass, nach einem neuen strategischen Ansatz zur Verwirklichung seines Hauptzieles zu suchen. Die bisherige Initiativgruppe des Orchesters wurde durch externe Experten erweitert und untersuchte in der Folgezeit abseits öffentlicher Wahrnehmung gründlich alle denkbaren Möglichkeiten. Dazu zählte sowohl der Umbau des Kulturpalastes zu einem hochwertigen Konzertsaal als auch der Neubau eines Konzerthauses an geeigneter Stelle. Schließlich führten die vorübergehende Schließung des Kulturpalastes aus sicherheitstechnischen Gründen im April 2007 und die sich daraus ergebende aufwendige Sanierung des Hauses zu der Überlegung und im Juli 2008 zu dem Beschluss des Stadtrates, den Kulturpalast zu sanieren, zu einem erstklassigen Konzertsaal umzubauen und sowohl die Städtischen Bibliotheken als auch die Herkuleskeule in den Umbau zu integrieren.

Der Dresdner Kulturpalast bedarf 40 Jahre nach seiner Erbauung einer grundsätzlichen Modernisierung. Bausubstanz und technische Anlagen sind altersbedingt verschlissen. Ein ausreichender Brandschutz ist nicht mehr gewährleistet. Das Haus darf in seinem gegenwärtigen Zustand nur noch unter ganz erheblichen Einschränkungen bis 2012 betrieben werden. In der ehemaligen DDR ein fortschrittlicher Bau hat der Kulturpalast seit 1990 kontinuierlich an Ansehen und Konkurrenzfähigkeit verloren. Gastspiele weltbekannter Orchester finden nur noch sehr vereinzelt im Festsaal statt. Der Grund für diese Entwicklung liegt vor allem in der unzureichenden Akustik des Saales. Zahlreiche Untersuchungen und Gutachten haben sei 1993 nachgewiesen, dass ein erstklassiger und international konkurrenzfähiger Konzertsaal im Kulturpalast nur durch einen inneren Neubau entstehen kann.

Die Dresdner Philharmonie, eines der renommiertesten Orchester Deutschlands und seit 1969 im Kulturpalast beheimatet, misst einem solchen Umbau seit Jahren größte Bedeutung bei. Das Orchester der Landeshauptstadt kann auf annähernd 140 Jahre stolzer Geschichte zurückblicken, die von höchster künstlerischer Qualität geprägt sind. Ein diesem außerordentlichen Niveau der Dresdner Philharmonie ebenbürtiger Konzertsaal fehlt jedoch in Dresden bis zum heutigen Tage.

Der architektonische, städtebauliche und gesellschaftliche Wert des Kulturpalastes, der seit 2008 als Denkmal anerkannt ist, steht außer Frage. Um diesen Wert zu erhalten, muss und kann der Kulturpalast jedoch mit neuem Leben erfüllt werden. In einer Verbindung aus erstklassigem Konzertsaal, Bibliothek und Kabarett wird zu vergleichsweise günstigen Konditionen ein wahres Kulturzentrum im Herzen der Stadt entstehen, das für viele, auch neuartige Veranstaltungen der Unterhaltungskunst geeignet sein wird.

Der Entwurf des international bekannten Architektenbüros gmp von Gerkan, Mark und Partner verleiht dieser Vision singuläre Gestalt. Alle bisherigen Verfahren, Gutachten, Berater und Projektbeteiligten lassen den Willen und die Chance erkennen, ein für Dresden in seiner bisherigen Stadtgeschichte einmaliges Vorhaben zu realisieren.

Die Gremien der Landeshauptstadt, voran der Stadtrat, stehen nun vor der verantwortungsvollen Aufgabe, die für das Projekt noch notwendigen Entscheidungen zu treffen. Dresden hatte in seiner über 800-jährigen Geschichte noch nie einen richtigen Konzertsaal. Sie können also sicher sein: Dresden wird mit dem Umbau des Kulturpalastes attraktiver und reicher werden, internationales Ansehen gewinnen und seinem weltweiten Ruf als bedeutende Kulturmetropole noch gerechter werden als bisher.

Lutz Kittelmann, Geschäftsführer des Fördervereins der Dresdner Philharmonie e.V.

06.10.2009Allgemein