Frauen und Kinder retten die Welt – die Kinder- & Jugendoper Dresden spielt „Die Regentrude“

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Frauen und Kinder retten die Welt – die Kinder- & Jugendoper Dresden spielt „Die Regentrude“

Heißer Sommer. Trockenes Land. Alle leiden, nur einer nicht, der Wiesenbauer. Der sitzt buchstäblich auf dem Trockenen, denn er allein hatte Mittel vorzusorgen und sein gut gelegenes Land vor der Dürre zu schützen. Noch schlägt er die

bangen Befürchtungen der Witwe Stine in den Wind. Was kümmert´s ihn, wenn in der schon wieder ein Schaf verdurstet ist. Weil die Regentrude schläft und der Ritus sie zu wecken in Vergessenheit geriet, hat Eckeneckepenn, der Feuermann gut Lachen, zündelt und züngelt und macht sich lustig über alle, die unter Hitze und Trockenheit leiden.

Heute würden wir sagen, dass das ökologische Gleichgewicht gestört ist. Dass eine Klimakatastrophe ausgebrochen ist. So sprach man im Jahre 1863 noch nicht, als Theodor Storm zu Weihnachten das Märchen „Die Regentrude“ schrieb, mit dem er aber schon darauf hinweisen wollte, dass Ökonomie allein nicht das Leben und den Umgang mit der Natur bestimmen darf. Storms Märchen, das ja schon ein ganzes Jahrhundert zuvor spielt, geht gut aus.

Gut geht auch die zweite Produktion der Kinder- & Jugendoper am Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden aus, die eine eigene Fassung der Kinderoper „Die Regentrude“ zur erfolgreichen und mit viel Beifall bedachten Premiere brachte. In sieben Bildern erleben wir den so properen wie selbstsicheren Wiesenbauern, die mahnende Witwe Stine, Feuermann Eckeneckepenn als roten Rapper und Feind der in blau gewandeten feenhaften Regentrude. Wir folgen den mutigen Kindern Maren und Andrees auf ihrem Weg zur Regentrude durch das trockene Feld, zum hohlen alten Weidenbaum bis in Regentrudes trockene Welt zum Brunnen.

Zehn Tänzerinnen stellen bewegte Bilder dieser Stationen dar, verwandeln sich vom Gelb der Dürre und dem Grau der Trockenheit in das Blau des Lebenswassers und vollführen ihren abschließenden Freudentanz in Badesachen. Zum guten Schluss mit glücklichen Paaren, Witwe und Wiesenbauer, Maren und Andrees, singt der blaue Vogel mit dem ganzen großen Ensemble, zu dem Verkäuferinnen für Eis oder Sonnenbrillen und Brezeln ebenso gehören, wie Bauernkinder, Wiesenbauers Truppe, Ferienkinder und die zwei Mädchen aus der Stadt, die mit einem so spannenden wie märchenhaften Bericht für ihre Schülerzeitung vom Abenteuer auf dem Lande berichten können.

Nach der Kinderoper „Die Regentrude“ von Nina Rausch und Wolfgang Oettl, die eigentlich für erwachsene Interpreten gedacht ist, hat Projekt- und Spielleiterin Claudia Schmidt-Krahmer in der Ausstattung von Ella Späte eine bearbeitete Fassung mit dem Ensemble aus 50 Kindern und Jugendlichen Solisten, Tänzerinnen und Sängern auf die Bühne gebracht. Dazu kommt ein Kammerorchester, die musikalische Leitung hat Michael Muche. Spielfreude, Engagement , der Zauber des Charmes der dem Premierenfieber geschuldeten Unvollkommenheit machen manches akustische, spieltechnische und dramaturgische Problem wett. Wie allerdings Eliza Doolittle und Webers Jungfernkranz in die Geschichte kommen, bleibt ein Rätsel. 


Am Ende aber, wenn wir wissen dass es gar nicht schaden kann, manch alten Spruch samt seiner Weisheit zu bewahren, und dass es wohl den Frauen und den Kindern vorbehalten bleibt, die Welt zu retten, siegt die große Freude über ein gelungenes Projekt dem hoffentlich bald das nächste folgen wird.

Boris Michael Gruhl


Die nächsten Aufführungen im Kulturrathaus: 3. und 11. Dezember

Eine Textfassung des Artikels ist am 28. November in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abzudrucken.

29.11.2008Allgemein