„Ich träume von einem größeren Wettbewerb…“ – John Holloway über »Violine in Dresden«

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„Ich träume von einem größeren Wettbewerb…“ – John Holloway über »Violine in Dresden«

Mehr Agenten, mehr Konzertangebote, ausgeweitetes Repertoire – John Holloway hat viele Ideen, wie sich »Violine in Dresden« weiterentwickeln soll (Foto: PR)

Ab morgen wird der Wettbewerb Violine in Dresden ausgetragen. Seit 2006 leitet der Hochschulprofessor

John Holloway den Wettbewerb, der im Wechsel mit einem Meisterkurs in Zukunft aller zwei Jahre ausgetragen werden soll. Welche Ziele die Veranstalter für die Zukunft anpeilen – darüber hat Martin Morgenstern mit John Holloway gesprochen.

Prof. Holloway, seitdem Sie vor zwei Jahren die Leitung des Johann-Georg-Pisendel-Wettbewerbs übernahmen, hat sich viel getan.

Ja, der Wettbewerb hat sich umfassend verändert. Früher gaben zwei Professoren Kurse, die Teilnehmer kamen fast ausnahmslos aus der ansässigen Spezial- und Hochschule, und der Gewinner des “Pisendel-Preises” durfte in der Unterkirche der Frauenkirche konzertieren. Als ich die Leitung übernahm, tat ich es unter der Bedingung, dass wir den Wettbewerb vergrößern und mit mehr Ambitionen angehen würden.

Allein der Fakt, dass man einen Wettbewerb nach einem Dresdner Komponisten der Barockzeit benannte, in dem keine Note von ihm gespielt wurde, ist irgendwie absurd, oder? 2006 hatte ich deshalb eine Pisendel-Violinsonate ins Repertoire aufgenommen. Kaum jemand wollte sie spielen. Danach schlug ich vor, den Namen zu ändern und das Repertoire auszuweiten. Wir teilten den Meisterkurs zeitlich vom Wettbewerb ab. Einige Teilnehmer des Meisterkurses vom letzten Jahr nehmen nun auch am diesjährigen Wettbewerb teil.

Die Abfolge aus Meisterkurs und Wettbewerb bewährt sich also offenbar. Was macht “Violine in Dresden” außerdem speziell?

Die enorme Herausforderung: alles spielt sich in fünf Tagen ab. Jemand, der es bis in die letzte Runde schafft, muss sein Repertoire perfekt beherrschen und sehr effizient üben. Am Ende ist es pures Durchhaltevermögen. Die Anspannung und ihre Beherrschung, das lernt man bei uns, und kann es später bei anderen Wettbewerben abrufen.

“Violine in Dresden” als Sprungbrett, um Wettbewerbserfahrung zu sammeln und sich vielleicht sogar erstmals öffentlich zu erproben – diese Chance nutzen auch sechs Dresdner Studenten.

Ja, zwei meiner Schüler, drei von Ivan Zenaty, und einer von Wolfgang Hentrich. Hier haben sie die Chance, sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schulen zu messen.

Die Vorrunden finden dieses Jahr in der Blochmannstraße statt, das Finale im Coselpalais. Sicher zieht der Wettbewerb in den nächsten Jahren dann in den neuen Hochschul-Konzertsaal um?

Im Gebäude Blochmannstraße sind wir quasi die letzten Nutzer. Nach der zweiten Runde machen wir dort das Licht aus und die Tür zu, und dann kann das Gebäude meinetwegen in sich zusammenfallen… Und natürlich bin ich sehr dankbar, dass wir dieses Jahr im Festsaal des Dresdner Pianosalons im Coselpalais sein dürfen. Aber das Ziel ist definitiv der Konzertsaal der Hochschule. Wir alle träumen ja davon, dass die Akustik gut ist, dass der Saal auch für ein großes Sinfonieorchester sinnvoll nutzbar ist.

Das geforderte Endrundenrepertoire von “Violine in Dresden” ist Ihren eigenen Vorlieben und Interessen sehr nahe gerückt…

Mozart und Bach: das ist zweihundert, dreihundert Jahre alte Musik. Warum ist die immer noch relevant? Warum ist sie nicht nur interessant, sondern quasi unvermeidlich? Ich möchte, dass die Person, die unseren Wettbewerb gewinnt, es auf der Grundlage einer wahren, weit reichenden Musikalität tut. Deswegen habe ich die Mozartschen und Bachschen Sonaten auf das Programm gesetzt.

In welche Richtung wird sich “Violine in Dresden” nun weiterentwickeln?

Zunächst einmal: ohne die Kulturstiftung Dresden, die “Violine in Dresden” im wesentlichen finanziert, würde der Wettbewerb wohl nicht stattfinden. Auch den weiteren Projektpartnern – der Dresdner Musikhochschule, den Dresdner Musikfestspielen und MDR Figaro – bin ich für ihre Unterstützung dankbar. Es ist auch ihr Verdienst, dass bisher alles gut läuft und wir fast 50 Anmeldungen aus der ganzen Welt hatten.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Preisgeld erhöht wird, und wir bräuchten mehrere Agenten, die den Gewinnern Konzertauftritte vermitteln können. Wir wollen unser Repertoire ausweiten. Vielleicht können wir eine Komposition in Auftrag geben, oder dem Gewinner eine Spitzenvioline ausleihen? All das ist im Moment noch Zukunftsmusik. Wie der Wettbewerb in fünf oder zehn Jahren aussehen wird, weiß ich noch nicht. Insgesamt träume ich von einem größeren Wettbewerb, in dem wir mit einem der Dresdner Spitzenorchester arbeiten können, zumindest in der letzten Runde. Da müssen wir unsere Freundschaften noch etwas weiterentwickeln. Momentan sind wir glücklich, je einen Konzertmeister beider Orchester in der Jury zu haben.

Fest steht – und da bin ich sicher, dass Dresden ein wunderbarer Ort für einen guten und erfolgreichen Wettbewerb ist. Dafür lohnt es sich, alle Kräfte zu bündeln.

Violine in Dresden

17./18.9. – 1. Runde, 13.00 bis 20.00 Uhr, Hochschule für Musik Dresden, Blochmannstr. 2/Aula (Eintritt frei)
19./20.0. – 2. Runde, 13.00 bis 20.00 Uhr, Hochschule für Musik Dresden, Blochmannstr. 2/Aula (Eintritt frei)

21.9. – Finalrunde, 11.00 Uhr Solo-Vortrag (Eintritt frei), ab 15.00 Uhr Konzert-Vortrag mit Wahl des Publikumspreisträgers, Festsaal im Dresdner Pianosalon Kirsten/Coselpalais, Eintritt: 7, erm. 4 Euro, Kartenbestellung: 0351/8044297 (und Tageskasse)

Die Jury besteht aus 9 Fach- und Sachjuroren: John Holloway (Künstlerischer Leiter, HfM Dresden), Rainer Kussmaul (HfM Freiburg i.Br.), Ivan Zenaty (HfM Dresden), Matthias Wollong (1. Konzertmeister Sächsische Staatskapelle Dresden), Ralf-Carsten Brömsel (1. Konzertmeister Dresdner Philharmonie), Jan Vogler (Intendant Dresdner Musikfestspiele), Eleonore Büning (F.A.Z.), Ingo Jander (Konzertdirektion Schmid), Michael Oehme (MDR Figaro).

16.09.2008Interviews