„Es könnte so weitergehen!“ – Christian Ludwig im Gespräch über die Konzertreihe »Strehlener Kammermusik«

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„Es könnte so weitergehen!“ – Christian Ludwig im Gespräch über die Konzertreihe »Strehlener Kammermusik«

Die Konzertreihe »Strehlener Kammermusik« erlebt im Januar 2008 einen ihrer größten Höhepunkte: zum Beethoven-Fest, das gemeinsam mit der 1954 gegründeten Dresdner Reihe »Meisterwerke – Meisterinterpreten« veranstaltet wird, erklingen an drei Tagen sämtliche Streichquartette des Meisters, interpretiert von drei bekannten Ensembles: dem Leipziger Streichquartett, dem Artis-Quartett (Wien) und dem Auryn Quartett aus Köln. Martin Morgenstern hat mit Christian Ludwig über die bisherigen Konzerte und seine weiteren Pläne gesprochen.

Herr Ludwig, lassen Sie uns zuerst ein bisschen zurückschauen – welche musikalischen Wurzeln hat die Reihe »Strehlener Kammermusik«?

Die musikalischen Wurzeln reichen bis zu unseren Eltern zurück. Mein Vater war dreißig Jahre Kantor an der Christuskirche, meine Mutter Kantorin an der Leubener Kirche. Sie haben uns Kindern das musikalische Interesse mitgegeben. Mein Bruder Friedemann ist Cellist, ich habe im Dresdner Kreuzchor gesungen und dann Gesang studiert. Als wir die Reihe damals starteten, war uns nicht klar, wie sie sich entwickeln würde. Sehr schnell kamen damals die ersten Anfragen und vor allem das Interesse, über den klassischen Kammermusikrahmen hinauszugucken und den Begriff mal näher unter die Lupe zu nehmen: Was wurde zu Zeiten Mozarts und Beethovens unter Kammermusik verstanden?

Nicht nur fürs Ohr, sondern auch fürs Auge ist jedenfalls der ungewöhnliche Ballsaal, in dem die Reihe beheimatet ist. Zu den üblichen Miet-Konditionen ließe sich hier wahrscheinlich gar nichts machen – wie haben Sie das Finanzielle geregelt?

Das Hotel Königshof kommt uns da sehr entgegen. Für die Betreiber war abzusehen, dass wir den Saal durch unsere Reihe etwas mehr in die Öffentlichkeit rücken würden. Da wir als Veranstalter mit den Einnahmen des oft sehr kleinen Publikumsverkehrs auskommen müssen, können wir natürlich nicht die sonst üblichen Mieten zahlen. Unsere Übereinkunft trägt bis jetzt sehr gut, auch wenn die Hoteldirektoren schon ein paar Mal gewechselt haben. Und das darf ich an dieser Stelle vielleicht auch erwähnen: es gibt ein paar wenige treue Sponsoren, die von Anbeginn helfen. Für eine kontinuierliche Veranstaltungsreihe ist es wirklich schwer, Geldgeber zu interessieren.

Nichtsdestoweniger sind Sie inzwischen bei fast hundert Konzerten angekommen. An welche besonderen Ereignisse erinnern Sie sich heute noch?

Ein Konzert, das besonders aufwendig war, der Kammertanzabend "Undines Weg". Da gab es Tanz, Videoprojektion, und mein Bruder Friedemann hat Violoncello gespielt und dazu gesungen. Dieser Abend hat einfach gut funktioniert, und das haben die Leute auch gespürt. Es gab euphorischen Beifall. Da redet man dann auch nicht über Finanzen. Wir hatten auch einige Sonderkonzerte, zum Beispiel "Flut 2002". Über verschlungene Wege kamen wir an den Dresdner Zoo, der war durch diesen verflixten Kaitzbach überflutet. Da konnten wir ganz kurzfristig das Artemis Quartet für ein Benefizkonzert begeistern.

Jetzt müssen Sie uns aber mindestens noch eine richtige Gurke beichten…

Nun, es gibt eben so Konzerte, die vom Publikum euphorisch angenommen werden, wo ich mir aber hinterher geschworen haben: das mache ich nie wieder. Da hat der bekannte Trompeter Peter Lohse gemeinsam mit einem polnischen Jazztrio ein seichtes Programm abgeliefert, das "Weihnachten und Jazz" hieß. Ich dachte: vielleicht gibt es da eine Facette an dem Musiker der Staatskapelle, die ich noch gar nicht kenne? Nun, Peter Lohse hat zugegeben, dass er kein Jazztrompeter ist und das eigentlich gar nicht kann. Er hat einfach als Cantus-Firmus-Trompeter mitgespielt, und die Leute haben mitgesungen… Und die Rezension, naja… Das war schon ein Fehlgriff, ein verlorener Abend.

Aber es gab auch Uraufführungen, wo man mal nicht die klassische Werkkombination – Vertrautes und Zeitgenössisches – verpackt hat. Ein langer Klavierabend mit Werner Barho etwa, den fand ich sehr gelungen. Es kamen aber nur eine Handvoll Leute. Da war ich schon betrübt, dass das so wenig Interesse findet.

Die zwei Herzen, die da in Ihrer Brust schlagen – das Herz des Schatzmeisters und das des Künstlers – das kennen sicher viele Veranstalter.

Wir brauchen einfach Konzerte, die finanziell etwas abwerfen müssen. Dann gibt es aber auch welche, wo wir Risiken eingehen können, so dass wir übers Jahr bei etwa plusminus Null abschließen, und mit etwas Glück natürlich noch etwas verdienen. Aber ehrlich: ich würde gern mal wieder so eine richtig ausgefallene Sache machen. Ein paar Ideen habe ich schon.

Die Reihe »Strehlener Kammermusik« ist traditionell in diesem Stadtteil verankert. Andere Kollegen streben ins Zentrum, Sie versuchen lieber etwas für die "Vorstadt" zu tun. Nehmen Sie die Nachteile des Standorts in Kauf, lässt sich vielleicht auch noch mehr Aufmerksamkeit von außen nach Strehlen lenken?

Prinzipiell spielt der Standort für uns eine große Rolle. Wir haben einen kleinen, festen Stammhörerkreis aus der Gegend. Dazu kommt ein größerer Kreis aus der südlicheren Region von Dresden; und bei besonderen Konzerten kommen sie auch von weiter her. Aber wie der Name schon sagt: es ist eine regionale Reihe. Die Wahrnehmungsfrage spielt eine entscheidende Rolle. Daher verstehe ich Herrn Schaller schon. Aber wir bleiben hier, wir sind hier einfach verwachsen.

Wie sieht das inhaltliche Profil der Reihe in Zukunft aus? Vielleicht laden Sie sich mal die Kreuzchor-Abiturienten ein, bevor die auf ihre traditionelle Sommertournee gehen?

Mit den Kollegen von »Lied in Dresden« besteht die Absprache, dass wir uns mit reinen Liederabenden eher zurückhalten; ähnliches gilt für die Klavierreihe von Andreas Henkel. Aber so ein Sommerkonzert, das haben wir schon überlegt. Man könnte auch das Parktheater mieten, um Chor- und Familienkonzerte zu machen. Gerade habe ich ein Konzert im Lingnerschloß besucht – ob man mal etwas da oben macht, unsere Zuhörer für einzelne Konzerte aus der gewohnten Halle herauslockt? Im Grund genommen wäre das eine perfekte Erweiterung unseres Profils, nun, da wir eine gewisse Akzeptanz in Dresden gefunden haben. Es hat sich alles im positiven Sinne eingeschliffen. Ja, es könnte so weitergehen!

Dann lassen Sie uns zum Abschluss noch einen Blick nach vorn wagen. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus…

In wenigen Tagen findet das lange geplante Beethoven-Fest statt. Mit Fug und Recht kann ich sagen – das wird der Höhepunkt unserer bisherigen Entwicklung. An drei Abenden werden ausschließlich diese Werke zu hören sein. Es spielt das Leipziger Streichquartett, das Artis Quartett aus Wien und das Auryn Quartett aus Köln. Finanziell können wir das nur schultern, weil die Quartette das Projekt interessiert, und sie mehr oder weniger für eine Aufwandsentschädigung spielen.

Es gibt übrigens eine viertägige Kulturreise: man wohnt direkt im Hotel, die Damen können sich direkt im Hotel umziehen, die Frisur wird geschont… Und abends trifft man sich noch auf ein Schwätzchen mit den Musikern. Das Interesse an diesem Angebot ist sehr groß; es lohnt sich also wie immer, beizeiten Karten reservieren zu lassen.

(Foto: privat)

Auszüge aus dem Interview erschienen in: Dresdner Neueste Nachrichten, Ausgabe vom 4.1.2008.

Beethoven-Fest Dresden 2008

Eine Kooperation zwischen den Konzertreihen »Strehlener Kammermusik« und »Meisterwerke – Meisterinterpreten« sowie dem Hotel Königshof

Leipziger Streichquartett: 25.1., 20°° Uhr
Artis-Quartett, Wien: 26.1., 16°° Uhr
Auryn Quartett, Köln: 27.1., 11°° Uhr

Buchung:
Tel. 0351 8731-0 (Hotel Königshof)
Tel. 0351 4792695 (Veranstalter)

10.01.2008Interviews